„Liebes Tagebuch,…” – Ein Nachtrag

Liebes Tagebuch,

ich glaube viele Menschen in Deutschland haben Vorurteile gegen das Bloggen. Deshalb habe ich nach meinem ersten Eintrag über das Bloggen noch mal “Recherchen gemacht” (Okay, der Kalauer ist von den Missfits…) und mußte feststellen, dass das stimmt. Zwar hat ein lieber Onkel in der Zeit ganz nett über Weblogs geschrieben, aber das war auch nur auf „Zeit.de“ und nicht in der „richtigen Zeit“. Und der liebe Onkel ist auch nicht ganz objektiv, weil der selber bloggt. Dort erzählt der liebe Onkel auch ganz schlimme Sachen, die andere Leute übers Bloggen erzählen:

So zum Beispiel der Onkel Wenk von Ver.di, der sagt nämlich das Bloggen „kein Journalismus“ ist, und Bloggen für Journalisten ganz „igitt“ ist. Weil Bloggern nämlich folgendes fehlt: „Professionelles Handwerk (beim Umgang mit Sprache, Text, Bild)“ und „Moral & Ethik (Standards z. B. im Umgang mit Quellen).“

Ich weiß leider gar nicht was der Onkel Wenk mit den „professionellen Standards“ meint, denn der Onkel ist nicht nur Journalist sondern auch „Kommunikationsexperte“ und wenn man das ist, dann muss man wohl keine Recherchen machen, was die Wörter bedeuten, die man so schreibt. Dann weiß man einfach, dass „Tagebuch“ die Hauptbedeutung von „Log“ ist und braucht das nicht mehr überprüfen oder sich gar die Etymologie von Weblog anzugucken.

Das habe ganz viele Blogger gelesen und manche sind auch ein bisschen böse geworden, und haben dem Onkel Wenk seine Argumentation auseinandergenommen. Und manche haben dann auch einen Leserbrief an die „M“-Zeitschrift von ver.di geschrieben, und dann ist die Redaktion ganz sachlich geworden und hat den ganz sachlich kommentiert. (So wie die schon ganz sachlich nachgewiesen haben, dass James Nachtwey gar nicht so toll fotografieren kann wie die Onkels – und natürlich Tanten – von der Arbeiterfotografie.)

Naja liebes Tagebuch und seit ich das gelesen habe, habe ich ganz doll Angst, dass ich gar nicht schreiben kann und das mich alle für doof halten, weil ich jetzt halt auch so ein „Webtagebuch“ habe. Und außerdem muß jetzt mal einer den anderen Onkels von ver.di sagen, dass der Onkel Wenk meint:

Deshalb gibt’s in den Medien nicht nur Information und Aufklärung, sondern integriert ein etabliertes Medium schon mal Webloggs, um unterhaltsamer zu wirken. Oder sich einen Anschein von Guerilla-Publizistik zu geben.

Die haben jetzt nämlich ein Blog zum Thema „Lidl“

Soviel für heute, liebes Tagebuch.

P.S.: Wenigstens muß ich jetzt keine Angst mehr haben, dass Onkel Pfeiffer was Schlimmes über’s Bloggen rausfindet, der wird jetzt nämlich Kindergartenonkel. Ich habe immer gedacht, dafür bräuchte man eher Pädagogen als Kriminologen, aber der Onkel Pfeiffer kennt sich halt mit allem aus. Wenn ihn doch nur die Tante Christiansen mal öfter einladen würde …