{"id":78,"date":"2006-10-04T00:39:15","date_gmt":"2006-10-03T22:39:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?p=78"},"modified":"2006-10-04T00:48:01","modified_gmt":"2006-10-03T22:48:01","slug":"horbucher-foodsport-und-%e2%80%9epo-liebe-all-night-long%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?p=78","title":{"rendered":"H\u00f6rb\u00fccher, Foodsport und \u201ePo-Liebe all-night long\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Heute beginnt die Buchmesse. Das heisst: Redaktionspraktikantinnen, die den <em>\u201eMegatrend auch dieses Jahr: Indische H\u00f6rb\u00fccher in Originalsprache\u201c<\/em> beschw\u00f6ren, und Dichter mit und ohne Heine-Preisen und SS-Vergangenheiten auf allen medialen Kan\u00e4len; eine Woche lang die Illusion vom Dichter- und Denkerland bis zur mehrfachen Wiedergabe des vollst\u00e4ndigen Mageninhaltes.<!--more--><\/p>\n<p>Buchmesse, das ist <em>much too much of a good thing<\/em>  \u2013 und noch viel mehr vom Gegenteil.<\/p>\n<p>Daher hilft gegen akuten Buchmessen-bedingten Literatur\u00fcberdruss die Lekt\u00fcre der Buchmessen-Veranstaltungs-Ank\u00fcndigungen.<br \/>\nSchlie\u00dflich ist die Buchmesse in erster Linie Messe, in zweiter Linie Buch in allen medialen Verwertungsformen und nur ein ganz bisschen auch was mit Literatur.<\/p>\n<p>Das Veranstaltungsprogramm verspricht in weiten Teilen eher Anti-Literatur. Ein schwarzes Kultur-Loch, dessen dunkle Materie, die K\u00e4ufer sp\u00e4ter einmal zum dicksten Werbetisch in der Buchhandlung ziehen soll.<\/p>\n<p>Wie das geht, lernt man zum Beipiel auf der Veranstaltung:<\/p>\n<p><em>\u201eMit Vertriebsintelligenz\u00ae Ums\u00e4tze steigern.\u201c<\/em> Der Verlag, der Intelligenz als eingetragenes Warenzeichen sch\u00fctzen will, k\u00fcmmert sich ebenso um das leibliche Wohl: <em>\u201eFOODSPORT\u00ae. Gesund und schlank trotz Zeitmangel.\u201c<\/em> Wobei ich bei \u201eNahrungsmittel-Sport\u201c ja eher \u201eSupersize Me\u201c als Wellness erwartet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Nun gut: Essen h\u00e4lt Leib und Seele zusammen, f\u00fcr alles andere gibt es:<\/p>\n<p><em>\u201eWerte. Was die Gesellschaft zusammenh\u00e4lt.\u201c<\/em> Sollte der Zuh\u00f6rer von den Wirkung der Werte nicht \u00fcberzeugt sein, im Anschluss folgt: <em>\u201eDisziplin \u2013 das Tor zum Gl\u00fcck?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und disziplinierte Sch\u00fcler d\u00fcrfen dann auch Hip-Hop h\u00f6ren:<\/p>\n<p><em>\u201eRap in der Schule \u2013 von und mit Goethe und Schiller.\u201c<\/em> (Ist Schiller nicht eher Trance oder Ambient \u2026?)<\/p>\n<p>Falls die Sch\u00fcler trotz \u201eRap\u201c immer noch \u201eStress machen\u201c wollen, hilft der Vortrag:<em> \u201eMeine Stressbalance \u2013 Rezepte f\u00fcr Vielbesch\u00e4ftigte von Dr. Stress\u201c<\/em> Leider scheint Dr. Stress selbst verhindert zu sein und l\u00e4sst sich von einer Frau Schonert-Hirz vertreten.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr pr\u00e4sentiert Dr. Stress (wahrscheinliche) Cousine \u201eGabi Netz\u201c:<em> \u201eLesef\u00f6rderung mit digitalen Medien\u201c <\/em><\/p>\n<p>Bei \u00fcbertriebener digitaler Lesef\u00f6rderung droht allerdings: <em>\u201eComputersucht. Kinder im Sog der modernen Medien.\u201c<\/em> Vielleicht sollte man doch eher den traditionellen Weg beschreiten: <em>\u201eLesen lernen mit Konzept \u2013 so gut kann Schule sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Oder ist das ist \u201emit Konzept\u201c gar nicht traditionell? Wohl kaum, denn auf der Buchmesse, die nat\u00fcrlich auch Bildungsmesse ist, feiert sich der Berufsstand selbst: <em>\u201eWeltlehrertag 2006 \u2013 Gute Lehrer braucht das Land (und die Welt).\u201c<\/em><\/p>\n<p>Endlich: Deutsche Lehrer urbi et orbi! Hoffentlich haben sie auch schon von der neuesten Erkenntnis der Lernforschung \u2013 bzw. der H\u00f6rbuch-produzierenden Schulverlage \u2013 erfahren: <em>\u201eLernen durch H\u00f6ren f\u00f6rdert die Konzentration.\u201c<\/em><\/p>\n<p>H\u00f6rb\u00fccher sind \u00fcberhaupt wahre Allesk\u00f6nner, wie folgende Veranstaltung beweist: <em>\u201eWELTPREMIERE: Gabriel Garcia Marquez erstmals im H\u00f6rbuch.\u201c <\/em>Ich hoffe nur, der Literaturnobelpreistr\u00e4ger kann nach der Veranstaltung wieder aus dem H\u00f6rbuch befreit werden.<\/p>\n<p>Und wer vom H\u00f6rbuch gar nicht genug h\u00f6ren kann, f\u00fcr den bietet die Buchmesse auch noch: <em>\u201eH\u00f6r-Events: Lauschen ist \u00bbin\u00ab.\u201c<\/em> \u00dcbrigens keine Veranstaltung des Verfassungsschutzes.<\/p>\n<p>Falls diese Veranstaltungen eine Vorschau auf den kommenden B\u00fccherherbst bieten, (heiden-)reicht es mir jetzt schon.<\/p>\n<p>Das sch\u00f6nste werden wahrscheinlich die Verrisse. Wie folgende dezidierte Nicht-Lesen!-Empfehlung aus der Zeit-Literaturbeilage:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e&#8217;<em>Eine zu 85% wahre Geschichte<\/em>&#8216; ist ein zu mehr als 85 Prozent schlechtes Buch.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Was man bereits auf der Innenseite erkennt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDort war n\u00e4mlich ein Bild des Autors: [\u2026] Und er trug ein L\u00e4cheln, das L\u00e4cheln sagte: Ich verstehe die Frauen, und ich wei\u00df, wie ich sie ins Bett bekomme, auf sanfte Art, mit Quatschen, ich quatsch sie auf die Pritsche, aber dann, dann gibt\u2018s Po-Liebe all-night long.\u201c<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute beginnt die Buchmesse. 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