{"id":26,"date":"2006-01-05T17:04:45","date_gmt":"2006-01-05T16:04:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?p=26"},"modified":"2006-01-16T23:54:19","modified_gmt":"2006-01-16T22:54:19","slug":"praventiv-wirkungslos-eine-neue-anzeige-der-bzga","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?p=26","title":{"rendered":"Pr\u00e4ventiv wirkungslos: Eine neue Anzeige der BZgA"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/bilder\/bzga_big.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/bilder\/bzga_small.jpg\" alt=\"BZgA-Anzeige klein\" title=\"Vergr&ouml;ssern\"\/><\/a><br \/>Bild: \u00a9 BZgA<\/p>\n<p>Wenn schulmedizinische Methoden versagen, ist Hom\u00f6opathie oft die letzte Hoffnung. Das muss auch in der Pr\u00e4vention funktionieren, scheint sich die Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung (BZgA) gedacht zu haben und hat angesichts steigender Neuinfektionszahlen bei HIV eine neue Anzeigenkampagne gestartet, deren Motive \u00e4hnlich schwer zu entdecken sind, wie der Wirkstoff in hom\u00f6opathischen Heilmitteln.<!--more--><\/p>\n<p>Ob &#8211; und wenn ja welche &#8211; Pr\u00e4ventionskonzepte hinter den Anzeigen stehen, kann hier nicht beurteilt werden. Aus kommunikationsdesignerischer Perspektive verhindert die hier besprochene Anzeige mit Sicherheit ihre eigene Wirkung.<\/p>\n<p><strong>Die Kritik im Detail:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>\u201eDass HIV auch vor dem Ausbruch von AIDS ansteckend ist, wissen 4 von 5 Deutschen. Bitte erkl\u00e4ren Sie es dem F\u00fcnftem.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p>Die <strong>Headline<\/strong> ist keine Headline sondern ein abgeschlossenes Abstract. Das wohl als eyecatcher gedachte <em>\u201e4 von 5 Deutschen\u201d <\/em>verf\u00e4ngt nicht: Es enth\u00e4lt keinerlei interesseweckende Aussage (eigentlich enth\u00e4lt es gar keine Aussage), weist nicht auf das Thema der Anzeige hin und tr\u00e4gt  \u2013 gr\u00fcn auf gr\u00fcn \u2013 nur zu ihrer Unauff\u00e4lligkeit bei. <\/p>\n<p>Die Aufforderung, jeden F\u00fcnften zu belehren, ist sinnlos: Die Aufkl\u00e4rungsbotschaft zu vermitteln ist Aufgabe der Anzeige, nicht des Lesers. Ihn zum Aushilfs-Streetworker machen zu wollen, dokumentiert die Kapitulation der Macher vor dem eigenen Pr\u00e4ventionsanliegen. Dar\u00fcber hinaus darf bezweifelt werden, dass der behauptete Sachverhalt den Hauptgrund f\u00fcr das Ansteigen der HIV-Infektionsrate darstellt. <\/p>\n<p>Dass der verwendete Schrifttyp (Impact?) seine modische Hochzeit schon ein paar J\u00e4hrchen hinter sich hat und dementsprechend die Aufmerksamkeit, die schon die vergurkte \u00dcberschrift nicht wecken kann, auch nicht anzieht, f\u00e4llt dann schon fast nicht mehr ins Gewicht.<\/p>\n<p><strong>Die Farbgebung:<\/strong><\/p>\n<p>Gr\u00fcn wirkt nicht immer: Dem verwendeten \u201eBillige-Versicherungen\u201c-Farbton fehlt im Gegensatz zur Werbung f\u00fcr g\u00fcnstige Assekuranztarife der farbliche Kontrast. Ohne Farbkontrast jedoch bleibt die Anzeige im redaktionellen Umfeld so gut getarnt, dass selbst ein Cham\u00e4leon vor Neid die Farbe verliert. (Ich habe die Anzeige auch erst beim Wegr\u00e4umen des noch aufgebl\u00e4tterten Spiegels entdeckt.) <\/p>\n<p>Fast noch schlimmer: Der Flie\u00dftext ist in einem Grau gehalten, das im Vierfarbdruck gerastert wird und somit die Schrift unscharf (ergo: schlechter lesbar) erscheinen l\u00e4sst (Siehe zum Beispiel den Abdruck der Anzeige in <em>Spiegel 01\/2006<\/em> auf Seite 25).<\/p>\n<p><strong>Die Copy:<\/strong><\/p>\n<p>Da hat wohl die Grafik-Praktikantin entdeckt, wie einfach Block- und Formsatz mit einem Layoutprogramm zu realisieren sind (und alles gleich ordentlich schr\u00e4g gestellt). Sch\u00f6n f\u00fcr die Praktikantin. Alle anderen kennen das schon seit 20 Jahren und wollen insbesondere den Formsatz nur sehen, wenn er auch Sinn macht. Was bei einem eher sperrig formulierten Text ohne erkennbare Abs\u00e4tze sicher nicht der Fall ist.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt der Text: Redundanz rules! \u201eDas ist nicht falsch, sondern h\u00f6chst riskant\u201c &#8211; weil Anzeigen in Form ebenso belehrender wie langweiliger Referate nur selten bis zum Ende gelesen werden. Die Kerninformation: AIDS ist immer noch ein Thema, weil die Neuinfektionsrate steigt und die Krankheit aller Pharmawerbung zum Trotz immer noch unheilbar ist, kann auch pr\u00e4gnanter formuliert werden.<\/p>\n<p><strong>Das i-T\u00fcpfelchen<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eUnd nicht vergessen: Nur ein Kondom, dass man ben\u00fctzt, sch\u00fctzt.\u201c<\/em> Der Texter konnte anscheinend alles au\u00dfer Hochdeutsch, aber ein Reim ohne erkennbares Versma\u00df wird weder durch mundartliches \u201eben\u00fctzen\u201c noch durch die Ermahnung \u201enicht vergessen\u201c (Soll man sich einen Post-It-Zettel an den Penis heften?) eing\u00e4ngiger. Der auf das Auge gezielte erhobene Zeigefinger landet so direkt in der Amnesie.<\/p>\n<p>Fazit: Die alte <em>\u201eMach\u2019s mit\u201d<\/em>-Kampagne mag sich in dem gef\u00fchlten Jahrtausend ihres Einsatzes abgenutzt haben, d\u00fcrfte aber ihr Ziel, die Enttabuisierung des Themas Kondom ein St\u00fcck weit erreicht haben. Die Wirkung dieser Anzeige dagegen verpufft bereits vor dem Start und d\u00fcrfte bestenfalls dem unterst\u00fctzenden Verband der privaten Krankenversicherer dienen, der so seinem Image eine sozial-engagierte Note hinzuf\u00fcgen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie man mit vergurktem Design die Wirkung einer Pr\u00e4ventionskampagne verhindert. Eine Kritik.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,9],"tags":[724,26],"class_list":["post-26","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-design-kritik","category-erkenntnis","tag-design-kritik","tag-hiv-pravention"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":268,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26\/revisions\/268"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}