{"id":228,"date":"2008-05-30T13:13:30","date_gmt":"2008-05-30T11:13:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?p=228"},"modified":"2008-06-13T16:00:14","modified_gmt":"2008-06-13T14:00:14","slug":"die-geburt-des-events-aus-dem-geist-der-philosophie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?p=228","title":{"rendered":"Die Geburt des Events aus dem Geist der Philosophie"},"content":{"rendered":"<p>\u201e<a href=\"http:\/\/www.hannover.de\/de\/festival_der_philosophie\/\" title=\"Website\" target=\"_blank\">Festival der Philosophie<\/a>\u201c?   \u2013 Philosophie als \u201eEvent\u201c, das scheint ein Widerspruch in sich und Skepsis mehr als angebracht. Es muss dieser Wissenschaft nicht schaden, die akademische Feedback-Schleife, aus der im Allgemeinen h\u00f6chstens mal eine Sloterdijkscher \u201e<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sph%C3%A4ren_(Sloterdijk)#Sph.C3.A4ren_I_-_Blasen.2C_Mikrosph.C3.A4rologie\" title=\"Wikipedia\" target=\"_blank\">Blase<\/a>\u201c aufsteigt, zu verlassen. Allzu schnell l\u00e4uft sie dabei allerdings Gefahr, als Prilblume auf den Fugen einer unrettbar besch\u00e4digten Moderne zu fungieren.<!--more--><\/p>\n<p>Das \u2013 soviel Arroganz sei mir als M.A. mit Philosophie als 2. Hauptfach gestattet \u2013 laienhaften Vorstellungen von den Gegenst\u00e4nden des Faches sehr entgegenkommende Thema: \u201eDie Seele: Wirklichkeit oder Metapher\u201c n\u00e4hrt die Skepsis. Es erweist sich aber zumindest als publikumswirksam. Der nicht eben kleine Lichthof des hannoverschen Rathauses ist zur Auftaktveranstaltung bis in die oberen Etagen gef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Meine Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigend handelt es sich bei gef\u00fchlten 80% des Publikums um den (altersunabh\u00e4ngigen!) Typ \u201eSeniorenstudentin\u201c, der geisteswissenschaftliche Studieng\u00e4nge mehr in der Hoffnung auf wohlgef\u00e4llige Lebensweisheiten anekdotischen Charakters denn aus Interesse an der argumentativen Auseinandersetzung mit den behandelten Werken besucht. Nichtsdestotrotz d\u00fcrfte auch ein Gro\u00dfteil dieser Zuh\u00f6rer von der folkloristischen Er\u00f6ffnung des Festivals durch einen Leibniz-Darsteller eher peinlich ber\u00fchrt worden sein.<\/p>\n<p>Nach angenehm kurzer Einleitung durch B\u00fcrgermeister Bernd Strauch (der Oberb\u00fcrgermeister war wahrscheinlich mit dringlicheren Regierungsgesch\u00e4ften besch\u00e4ftigt \u2026), bewies die einf\u00fchrende Explikation des Festivalthemas durch G\u00fcnther Mensching, dass philosophische Fragestellungen durchaus allgemeinverst\u00e4ndlich (soweit ich das als s.o. beurteilen kann \u2026) dargestellt werden k\u00f6nnen, ohne Stringenz und Rationalit\u00e4t der Argumentation zu opfern.<\/p>\n<p>Hauptredner des Abends war allerdings der ehemalige Kulturstaatsminister <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Julian_Nida-R%C3%BCmelin\" title=\"Wikipedia\" target=\"_blank\">Julian Nida-R\u00fcmelin<\/a>, der unter Beweis stellte, warum er so gern als Posterboy einer Philosophie, die ihre gesellschaftliche Relevanz gerade durch das Absehen von den gesellschaftlichen Bedingungen unter denen sie stattfindet, zu erweisen sucht, engagiert wird.<\/p>\n<p>In seinem (\u201edas war mit den Organisatoren abgesprochen\u201c) das Thema des Festivals   verfehlenden Beitrag zum Thema: \u201ePhilosophie und Lebenswelt\u201c pr\u00e4sentierte er einen (vorsichtig ausgedr\u00fcckt) m\u00e4ssig koh\u00e4renten Abriss der Philosophiegeschichte, der vor allem aus Ausrissen der Nida-R\u00fcmelinschen Gelehrsamkeit und Wichtigkeit bestand.<\/p>\n<p>Dass der Vortragende dabei so ziemlich jedes momentan im Feuilleton angesagte \u201eIn-Thema\u201c seines Faches streifte und mit klassische Bildung ausstellenden Graezismen (um mal selbst ein wenig Bildung zur Schau zu stellen) ebensowenig geizte, wie er sich mit \u00fcberfl\u00fcssigen Anglizismen (\u201eturning point\u201c statt Wendepunkt) an das mittlerweile auch in Politik und Wissenschaft \u00fcbliche   Marketing-Bla-Bla anbiederte, d\u00fcrfte dabei seinem Anliegen \u2013 die Bedeutung von Philosophie\u201c als Orientierung gebende Wissenschaft aufzuzeigen \u2013 eher nicht gedient haben. (Dass wenn Nida-R\u00fcmelin schon mal einen Argumentationsstrang pr\u00e4sentierte, dieser keineswegs immer so unwiderlegbar war, wie vom Vortragenden behauptet, sei nur am Rande notiert.)<\/p>\n<p>So pr\u00e4sentierte sich im Hauptvortrag des Abends eine Philosophie, die der Intention des Festivals entsprechend zwar den Elfenbeinturm verlassen hat, dabei aber nicht auf dem sprichw\u00f6rtlichen Marktplatz als Metapher f\u00fcr die ebenso metaphorische Mitte der Gesellschaft angekommen ist, sondern direkt in die Welt der politikberatenden Kommissionen und Ethikr\u00e4te durchmarschiert ist.<\/p>\n<p>Womit als Fazit bleibt, dass ob ein derartiges Festival funktioniert, in erster Linie vom konkreten Vortrag abh\u00e4ngt und zu Bedenken gegeben sei, dass mehr als ein Interesse f\u00fcr eine vertiefende Auseinandersetzung mit philosophischen Gedankengut dabei wohl ohnehin nicht erzielt werden kann.<\/p>\n<p>Wenn Philosophie im aufkl\u00e4rerischen Sinne zur Befreiung aus der selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit beitragen soll, muss diese Auseinandersetzung am Text oder in konzentrierter Diskussion stattfinden, was ein seiner Natur konsumorientiertes \u201eEvent\u201c eben nur begrenzt leisten kann.<\/p>\n<p>(Das Festival l\u00e4uft noch bis zum 1. Juni)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eFestival der Philosophie\u201c? \u2013 Philosophie als \u201eEvent\u201c, das scheint ein Widerspruch in sich und Skepsis mehr als angebracht. Es muss dieser Wissenschaft nicht schaden, die akademische Feedback-Schleife, aus der im Allgemeinen h\u00f6chstens mal eine Sloterdijkscher \u201eBlase\u201c aufsteigt, zu verlassen. 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