{"id":160,"date":"2007-06-03T20:42:19","date_gmt":"2007-06-03T18:42:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?p=160"},"modified":"2007-06-04T00:00:19","modified_gmt":"2007-06-03T22:00:19","slug":"i-could-have-predicted-a-riot","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?p=160","title":{"rendered":"I Could Have Predicted a Riot. (Upd.)"},"content":{"rendered":"<p>Politik wird zunehmend zu symbolischer Politik. Dass die Auseinandersetzung immer mehr als Kampf um Bilder gef\u00fchrt wird, ist mittlerweile ein Allgemeinplatz. Die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/,tt1m6\/deutschland\/bildstrecke\/842\/116726\/p0\/\" title=\"Bildstrecke aus SZ-Online\" target=\"_blank\">Ausschreitungen im Vorfeld des G8-Gipfels<\/a> waren daher voraussehbar. Dass die Kl\u00e4rung der Schuldfrage sich als schwieriger erweist, als am <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/deutschland\/artikel\/463\/116347\/\" title=\"Willi Winkler zum Tod Benno Ohnesorgs in der SZ\" target=\"_blank\">2. Juni vor 30 Jahren<\/a> kann dabei nicht wirklich \u00fcberraschen. (Siehe hierzu <a href=\"http:\/\/www.spreeblick.com\/2007\/06\/03\/ich-wars-nicht\/\" title=\"Kommentar zur Schuldfrage\" target=\"_blank\">Spreeblick<\/a>)<\/p>\n<p>Ausser f\u00fcr die Verletzen und Gesch\u00e4digten profitieren \u201ebildpolitisch\u201calle Beteiligten \u2013 Staatsmacht, Gipfelgegner und \u201eMedien\u201c \u2013 von den Krawallen.<!--more--><\/p>\n<p>Steinewerfende Autonome, brennende Autos und Barrikaden liefern \u201est\u00e4rkere\u201c \u2013 weil mit starken Emotionen aufgeladene \u2013 Bilder als die phantasievollsten Protestaktionen der Attac-H\u00e4kelgruppe.<\/p>\n<p>Den Veranstalter des Gipfels kommen die Bilder zu pass, insofern sie unsch\u00f6nen Bilder von den Sperranlagen um Heiligendamm ersetzen und eine vermeintliche Rechtfertigung f\u00fcr ein Sicherheitskonzept liefern, bei dem die Erm\u00f6glichung der Aus\u00fcbung b\u00fcrgerlicher Grundrechte nicht gerade im Vordergrund stand.<\/p>\n<p>Die Gipfelgegner profitieren, weil die Bilder der Ausschreitungen sich vor die geplante Idylle der heilen Gipfelwelt, in der zwischen Familienfoto und Staatsbankett die Welt gerettet wird, schieben. Den M\u00e4chtigen wird so die Macht \u00fcber die Inszenierung entzogen und durch Bilder ersetzt, die in ihrer Gewaltf\u00f6rmigkeit zumindest symbolisch auf den unbefriedeten Zustand der Welt, die reale Gewalt in den \u00f6konomischen Beziehungen und den Lebensverh\u00e4ltnissen der Marginalisierten hinweisen.<\/p>\n<p>Dieser \u201ebildpolitische\u201c Sieg der Machtlosen \u00fcber die (nicht viel) M\u00e4chtigeren mag einer der gleichsam unterbewussten Ausl\u00f6ser der Gewalt im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel und \u00e4hnlichen Veranstaltungen sein.<\/p>\n<p>Der Gewinn der Massenmedien ist offensichtlich: Gewalt und Zerst\u00f6rung sind nun einmal Aufsehen erregender als Shakehands, Pressekonferenzen und friedliche Demonstranten. Das ist nicht als wohlfeile Medienkritik zu verstehen, sondern nun einmal die Situation in der sich Massenmedien befinden: Nachricht ist nicht das reibungslose Funktionieren der Ordnung, sondern ihre St\u00f6rung.<\/p>\n<p>Um Missverst\u00e4ndnisse auszuschlie\u00dfen: Diese Betrachtungen sind nicht als Rechtfertigung von irgendeiner Gewalt gemeint. Sondern als Feststellungen (oder wenigstens Hypothesen). Sie stellen lediglich einen Beitrag zu meinem pers\u00f6nlichem Versuch da, die Vorg\u00e4nge zu verstehen.<\/p>\n<p>Rituelle Ratlosigkeit oder Best\u00fcrzungsbekundungen bringen schlie\u00dflich \u00fcberhaupt nichts. Auf Dauer f\u00fchrt jede Form symbolischer Politik ins Leere. Wenn es einen Weg aus der Ohnmacht gegen\u00fcber den komplexen \u00f6konomischen und politischen Verh\u00e4ltnissen der Welt gibt, so kann der nach meiner \u00dcberzeugung nur im Versuch des Verstehens liegen. Sofern mir an dieser Stelle ausnahmsweise mal die \u00c4usserung einer Utopie gestattet ist: Es kommt nicht darauf an, die Welt zu inszenieren, sondern sie zu ver\u00e4ndern. Die R\u00fcckkehr zu einem nicht nur symbolischen politischen Diskurs w\u00e4re daf\u00fcr schon mal ein Anfang.<\/p>\n<p>Ich weiss, das ist naiv. Aber am Sonntagabend werde halt ich immer so idealistisch \u2026<\/p>\n<p><strong>Nachtrag:<\/strong> Ich beschreibe hier nur eine Dynamik auf \u201ebildpolitischer Ebene\u201c. Soll hei\u00dfen: die innere Logik bei der Produktion und Rezeption von \u00fcber die Massenmedien verbreiteten Bildern.<\/p>\n<p>Wie sich diese Dynamik in individuelles Handeln \u00fcbersetzt, ist eine ganz andere Frage. Ich wollte auf jeden Fall nicht unterstellen, dass irgendwer sich bewusst hinstellt und beschlie\u00dft, einen kleinen Aufstand zu starten, weil da dann \u201ebildpolitisch\u201c alle von profitieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik wird zunehmend zu symbolischer Politik. Dass die Auseinandersetzung immer mehr als Kampf um Bilder gef\u00fchrt wird, ist mittlerweile ein Allgemeinplatz. Die Ausschreitungen im Vorfeld des G8-Gipfels waren daher voraussehbar. Dass die Kl\u00e4rung der Schuldfrage sich als schwieriger erweist, als am 2. Juni vor 30 Jahren kann dabei nicht wirklich \u00fcberraschen. 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