{"id":148,"date":"2007-04-26T11:27:36","date_gmt":"2007-04-26T09:27:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?p=148"},"modified":"2007-04-27T00:24:04","modified_gmt":"2007-04-26T22:24:04","slug":"%e2%80%9e300%e2%80%9c-oder-eine-kurze-%e2%80%9ezu-hybrid-film%e2%80%9c-theorie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?p=148","title":{"rendered":"\u201e300\u201c oder: Eine kurze \u201eZu-Hybrid-Film\u201c-Theorie"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem nun schon \u00fcber eine Woche eine nahezu fertige Blitz-Kritik zu <a target=\"_blank\" title=\"Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/300_%28Film%29\">\u201e300\u201c<\/a> bei mir rumlag, hier nun in aller K\u00fcrze und stark \u00fcberarbeitet meine Eindr\u00fccke vom Sandalenfilm des Jahres. (Wobei das Thema \u201eRiefenstahl-\u00c4sthetik\u201c ausgeklammert werden soll. Das bed\u00fcrfte einer ausf\u00fchrlicheren Betrachtung \u2026)<!--more--><\/p>\n<p>Dass \u201e300\u201c in Feuilleton und <a target=\"_blank\" title=\"z.B. bei den F\u00fcnf Filmfreunden\" href=\"http:\/\/www.fuenf-filmfreunde.de\/2007\/03\/27\/300\/\">Blogosph\u00e4re<\/a> so heftig diskutiert wird, verwundert nicht. Der Film ist eine h\u00f6chst hybride Angelegenheit. Zu seinem Nachteil allerdings nicht nur als \u00e4sthetischer Hybrid zwischen Spielfilm und Comic (ober pr\u00e4ziser: Graphic Novel), sondern auch durch die Inkonsequenz mit der diese \u00c4sthetik verwirklicht wird.<\/p>\n<p>Sicher: Der Film hat viele bildm\u00e4chtige Momente, in denen Bildgestaltung, Kameraf\u00fchrung und Schnitt eine filmische Analogie zu Einzelbildern des Comics gelingt. Die Schlacht am Thermopylen-Pass datiert in eine Epoche, die so weit von der Lebenswelt des Zuschauers entfernt ist, dass der Abstand mit dem g\u00e4ngigen Pseudo-Realismusdes Historienfilms nur um den Preis der Zuschauerverbl\u00f6dung zugekleistert werden k\u00f6nnte. Die artifizielle Optik des Films ist insofern eine Form der angemessenen Behandlung des Themas.<\/p>\n<p>Der Optik entspricht die grunds\u00e4tzliche Erz\u00e4hlhaltung: Die Charaktere erscheinen als Masken. Der Verzicht auf psychologische Motivation ihres Handelns ist gewollt. Das gleichsam \u201emythische\u201c Pathos der Erz\u00e4hlung wahrt die Distanz zu den Spartanern. Die Illusion deren \u201eBlut, Freiheit, Ehre\u201c-Ideologie sei in aktuelles Gedankengut (selbst wo dieses auf den nominell gleichen \u201eWerten\u201c beruht) zu \u00fcbersetzen, wird \u00fcber weite Strecken des Filmes vermieden.<span class=\"Apple-converted-space\"> <\/span><\/p>\n<p>Auch wenn das anderswo bestritten wurde: \u201e300\u201c hat eine Handlung. Dass diese aber mehr durch die Stimme aus dem Off als mit visuellen Mitteln erz\u00e4hlt wird, kann eigentlich nur als mangelndes Vertrauen von Regisseur und\/oder Produzenten in ihr \u00e4sthetisches Konzept oder die Intelligenz ihrer Zuschauer verstanden werden.<\/p>\n<p>Der Off-Erz\u00e4hler bleibt dabei nicht der einzige R\u00fcckfall in konventionelle filmische Mittel. Weder die emotionale Distanz zu den Akteuren noch die Optik wird durchgehalten. Szenenweise stand eher die Fr\u00fchst\u00fccks-Cerealien-Werbung (Kind rennt durch sepiaget\u00f6ntes Kornfeld) als die Graphic Novel Pate f\u00fcr die Bildgestaltung. Das politische Geschehen in Sparta wird kr\u00e4ftig menschelnd geschildert. Der Soundtrack ist erstaunlich konventionell und dr\u00fcckt kr\u00e4ftigst auf die Emotionstube.<\/p>\n<p>\u201e300\u201c kann sich nicht entscheiden, ob er ein Bastard aus Werbeclip und H\u00f6rbuch oder ein Hybrid aus Spielfilm und Comic sein will. Diese Unentschiedenheit d\u00fcrfte einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr die kontroverse Diskussion des Werkes sein. Wobei der Film sich \u2013 selbst in dieser inkonsequenten Gestalt \u2013 bis kurz vor Ende eine Qualit\u00e4t bewahrt: den Verzicht auf eine explizite Verkn\u00fcpfung der Geschichte mit der Politik der Gegenwart.<\/p>\n<p>Der Leser ahnt dass entscheidende \u201eAber\u201c: Die letzten Seiten des Drehbuches wurden anscheinend mit einer Rede von George W. Bush vertauscht. Das antike Geschehen wird mit dem sog. \u201eKrieg gegen den Terror\u201c enggef\u00fchrt, die simpel-gestrickte Spartaner-Ideologie als Vorbild gepriesen. Auf letzten Filmmetern soll dem Zuschauer auf den letzt noch ein Xerxes f\u00fcr ein Usama vorgemacht werden. Das ist ebenso \u00fcberfl\u00fcssig wie inkonsistent.<\/p>\n<p>Fazit: In Ans\u00e4tzen bleibt erkennbar, dass \u201e300\u201c ein wirklich unkonventioneller Film h\u00e4tte werden k\u00f6nnen. Aufgrund mangelnder Konsequenz hat es aber nur zu einem unausgewogenen Hybriden gereicht. Verpasste Chance des Jahres.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem nun schon \u00fcber eine Woche eine nahezu fertige Blitz-Kritik zu \u201e300\u201c bei mir rumlag, hier nun in aller K\u00fcrze und stark \u00fcberarbeitet meine Eindr\u00fccke vom Sandalenfilm des Jahres. (Wobei das Thema \u201eRiefenstahl-\u00c4sthetik\u201c ausgeklammert werden soll. Das bed\u00fcrfte einer ausf\u00fchrlicheren Betrachtung \u2026)<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,11],"tags":[338,340,341,339,24],"class_list":["post-148","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erkenntnis","category-film","tag-338","tag-comic","tag-frank-miller","tag-graphic-novel","tag-kino"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=148"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}