{"id":33,"date":"2006-04-06T00:39:26","date_gmt":"2006-04-05T23:39:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?page_id=33"},"modified":"2007-08-01T23:57:26","modified_gmt":"2007-08-01T21:57:26","slug":"fotografie-in-herve-guiberts-autobiographischem-projekt","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/?page_id=33","title":{"rendered":"Fotografie in Herv\u00e9 Guiberts autobiographischem Projekt"},"content":{"rendered":"<p>(Ausschnitt aus Magisterarbeit)<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/pdfs\/Guibert_01.pdf\">Den gesamten Text als PDF downloaden<\/a><\/strong><\/p>\n<h2>Das Projekt der Selbstenth\u00fcllung<\/h2>\n<h3>Das verdoppelte Leben Herv\u00e9 Guiberts<\/h3>\n<p><em>\u201eJede individuelle Geschichte wird durch ihre photographische, bildhafte und eingebildete Geschichte verdoppelt.\u201c<\/em><br \/>\nHerv\u00e9 Guibert: \u201eDie Lieblingsphotos.\u201c1<\/p>\n<p>Es gibt Autoren, die schreiben ihre Autobiographie \u2013 vielleicht auch zwei Autobiographien \u2013 und es gibt Autoren, die eigentlich nur ein Thema kennen: sich selbst. Der 1955 geborene Schriftsteller Herv\u00e9 Guibert2 ist ein Vertreter des letzteren Typus: Ein Gro\u00dfteil seines Werkes bildet das \u201eProjekts der Selbstenth\u00fcllung\u201c3. Fotografie hatte eine gro\u00dfe Bedeutung in Guiberts Leben: Er hat mehrere Fotob\u00e4nde ver\u00f6ffentlicht, an diversen Ausstellungen teilgenommen, schrieb von 1977-85 Fotokritiken f\u00fcr \u201eLe Monde\u201c und bereits der Raum, den in seinen autobiographischen Schriften die Fotografie beansprucht, l\u00e4sst auf eine innige Beziehung des Autors zum Medium schlie\u00dfen. Mehr noch: Guibert hat Fotografie konsequent als Mittel der Autobiographie genutzt. Seine Fotografien zeigen bis auf wenige Ausnahmen ihn oder seinen Freundeskreis, seine Essays \u00fcber das Thema Fotografie handeln nicht vom Wesen des Mediums sondern von seinem Begehren, seiner Jugend, seiner Art, von der Fotografie seinen pers\u00f6nlichen Gebrauch als Konsument und Produzent von Fotografien und als Schreibender zu machen.<\/p>\n<p>Zwar wurde Guibert einem gr\u00f6\u00dferen Publikum nicht durch die Fotografie, sondern durch einen C\u00e9sar f\u00fcr sein Drehbuch zu \u201eL\u2018homme bless\u00e9\u201c4 und sp\u00e4ter durch die literarische Verarbeitung seiner Krankheit bekannt, dennoch hat die Fotografie einen entscheidenden Anteil an seinem autobiographischen Projekt. Als Inhalt, in den Metaphern, in der Struktur der einzelnen Werke wie in der Struktur ihrer Beziehung untereinander zeigt sich der Einfluss des Mediums auf Guiberts gesamtes Schaffen.<\/p>\n<p>War seine autobiographischen Selbstenth\u00fcllung zuletzt vom Thema Aids beherrscht, ist sie zu Beginn in erster Linie durch die Auseinandersetzung mit seinen Eltern motiviert. Das 1986 ver\u00f6ffentlichte \u201eMes Parents\u201c5 ist Beschreibung der kleinb\u00fcrgerlichen Enge des Elternhauses und Abrechnung mit den Eltern: Indem er ihre Doppelmoral und seine Verachtung f\u00fcr sie enth\u00fcllt, versucht er die emotionale Beziehung zu ihnen zu trennen. Das Buch endet im symbolischen Vatermord durch Erz\u00e4hlung: Guibert zitiert aus einer unver\u00f6ffentlichten Kurzgeschichte, die mit dem Tod des Vaters endet.<\/p>\n<p>Sein bevorstehender eigener Tod wird 1990 der Grund daf\u00fcr, dass Guibert \u00fcber Frankreich hinaus Beachtung findet. \u201eDem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat\u201c6 ist die erste literarische Verarbeitung des Themas Aids, bei der von Literatur im emphatischen Sinne gesprochen werden kann, und bietet durch Enth\u00fcllungen \u00fcber Michel Foucault und Isabelle Adjani, mit denen Guibert befreundet war, das Ma\u00df an Skandal, durch das auch die Aufmerksamkeit von literarisch Nichtinteressierten zu gewinnen ist.<\/p>\n<p>Guibert setzt die Chronik seiner Erkrankung mit \u201eMitleidsprotokoll\u201c7 (1991) und \u201eCytom\u00e9galovirus\u201c8 (1992 posthum ver\u00f6ffentlicht) fort, bevor er an den Folgen eines Selbstmordversuches am 27. Dezember 1991 stirbt. Nach seinem Tod werden noch \u201eL\u2018homme au chapeau rouge\u201c9 und \u201eDas Paradies\u201c10 ver\u00f6ffentlicht \u2013 zwei Werke in denen Guibert Fiktion und Autobiographie verbindet. Dabei kann insbesondere \u201eDas Paradies\u201c als literarisches Verm\u00e4chtnis verstanden werden: Guibert zerst\u00f6rt hier den Glauben an seine autobiographische Aufrichtigkeit und f\u00fchrt durch Verwirrung der Identit\u00e4t seines literarischen Alter Egos das Konzept der Identit\u00e4t der Person ad absurdum.<\/p>\n<p>Diese finale Negation der Selbstenth\u00fcllung kann als Reaktion auf die Rezeption von \u201eDem Freund\u2026\u201c gewertet werden. Als Gegenstand des \u00f6ffentlichen Interesse wurde ein vergegenst\u00e4ndlichtes Subjekt Herv\u00e9 Guibert konstruiert, das dem in seinem autobiographischen Projekt dargestellten Subjektbild zutiefst widerspricht. Die Kritiker sparten nicht mit Zuschreibungen wie \u201eanr\u00fchrende Lebensbeichte\u201c11 oder \u201eentbl\u00f6\u00dft sich bis auf die Haut\u201c12 und beurteilten den Autor nach den Ma\u00dfst\u00e4ben einer Moral, vor der sich zu rechtfertigen, er tunlichst unterlassen hatte.<\/p>\n<p>Den aufmerksamen Leser von Guiberts Werk konnte die Dekonstruktion von Selbst und Selbstenth\u00fcllung in \u201eDas Paradies\u201c kaum \u00fcberraschen. Bereits die fr\u00fchen Werke des autobiographischen Projektes nehmen einen Platz zwischen Dokumentation und Fiktion ein. So wird in der Widmung von \u201ePhantom-Bild\u201c das Projekt der Selbstenth\u00fcllung noch als \u201eallgemeiner Roman\u201c13 bezeichnet und in \u201eMes Parents\u201c auf die Gattungsbezeichnung \u201eAutobiographie\u201c verzichtet. Indem er im gleichen Werk den in der Widmung, die gemeinhin als authentische \u00c4u\u00dferung des Autors betrachtet wird, ausgedr\u00fcckten Hass als fiktiv gekennzeichnet \u2013 \u201eLa haine de la d\u00e9dicace du livre, bien s\u00fbr, \u00e9tait fictive.\u201c14 \u2013 relativiert er das Verh\u00e4ltnis von Authentizit\u00e4t und Fiktion.<\/p>\n<p>Dennoch geh\u00f6ren die Werke zur autobiographischen Gattung: Die Identit\u00e4t von Protagonist und Autor ist gegeben und nach Guiberts Begriff der Wahrheit \u2013 auf den weiter unter eingegangen wird \u2013 handelt es sich um Darstellungen seiner inneren Wahrheit. Die Zerst\u00f6rung der Identit\u00e4t von Autor und Protagonist, wie die Zerst\u00f6rung der Vorstellung von der Identit\u00e4t einer Person \u00fcberhaupt, wie sie Guibert in \u201eDas Paradies\u201c betreibt, kann auch als Reaktion auf die Konsequenzen der Autobiographie verstanden werden: Indem der Autor sein Leben zu Literatur macht, erschafft er eine Kunstfigur, die mit ihm identisch sein soll, als Kunstfigur immer auch ein Eigenleben f\u00fchrt.15<\/p>\n<p>Das Eigenleben seines literarischen Ichs, das einen Gro\u00dfteil seiner Werke beherrscht, wirkt auf Guiberts zur\u00fcck. Seine autobiographische Technik l\u00e4sst sich treffend als Verdoppelung seiner Person beschreiben; die Kunstfigur Herv\u00e9 Guibert wird \u2013 auch bedingt durch das wiederholte emphatische Bekenntnis zu einem Programm der Selbstenth\u00fcllung \u2013 als mit der realen Person identisch angesehen. Das Bild beginnt das Leben seiner Sch\u00f6pfers zu bestimmen: \u201eIch bin ein doppeltes Wesen, Schriftsteller manchmal und nichts anderes ein andermal [\u2026]. Ich habe mich zum Opfer eines schizophrenen Mechanismus gemacht, den ich selber ersonnen habe, indem ich mich zu zwei Personen verdoppelte [\u2026].\u201c16 Diesen schizophrenen Mechanismus zu durchbrechen, indem die Einheit von literarischem Ich und realer Person aufgek\u00fcndigt wird, ist eines der Motive der autobiographischen Dekonstruktion.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<h3>Das autobiographische Netz<\/h3>\n<p>Traditionelle Autobiographien pr\u00e4sentieren sich in geschlossener Form. Ein Buch beinhaltet \u201edas Leben\u201c oder einen Lebensabschnitt eines Autors und wird als \u201eseine Autobiographie\u201c identifiziert. Im Falle von Guiberts autobiographischem Projekt ist diese Identifikation nicht eindeutig m\u00f6glich. Verschiedene Werke unterschiedlicher Gattungen, zum Teil kurz nach einander ver\u00f6ffentlicht, erg\u00e4nzen und \u00fcberschneiden sich; der eigent\u00fcmliche Platz zwischen Fiktion und Dokumentation einiger Werke und die fehlende explizite Kennzeichnung der Werke als \u201eAutobiographie\u201c erlauben keine direkte Zuordnung. Daher stellt sich die Frage: Kann im Zusammenhang von Guiberts Projekt der Selbstenth\u00fcllung \u00fcberhaupt von Autobiographie gesprochen werden und wenn ja, worin besteht dann die Darstellung der Selbstinterpretation?<\/p>\n<p>In den erz\u00e4hlenden Werken, die als Teil des Projektes betrachtet werden k\u00f6nnen, setzt Guibert \u2013 au\u00dfer der Signatur \u2013 alle Mittel ein, um eine autobiographische Lesart vorzugeben. Der Protagonist dieser B\u00fccher, der gleichzeitig der Ich-Erz\u00e4hler ist, hei\u00dft Herv\u00e9 Guibert und erweist sich in den \u00e4u\u00dferen Merkmalen als mit dem Autor identisch \u2013 zumindest bis zu dem Punkt in \u201eDas Paradies\u201c wo diese Identit\u00e4t bewusst zerst\u00f6rt wird. Reflexionen des Schreibprozesses und explizite Erkl\u00e4rungen des dokumentarischen Charakters \u2013 wie: \u201eMir selbst gegen\u00fcber n\u00e4mlich bin jedesmal der Voyeur, der Dokumentarist.\u201c17 \u2013 sollen den Leser \u00fcberzeugen, ein Werk der Autobiographie, nicht der Fiktion vor sich zu haben.<\/p>\n<p>Auch nahezu alle Essays des Bandes \u201ePhantom-Bild\u201c sind in der ersten Person Singular verfasst. Der erste Text \u201eGedankenlesebrillen\u201c gibt dabei eine autobiographische Lesart der folgenden vor. Guibert schildert die Wirkung der Gedankenlesebrillen aus einem Comic und der R\u00f6ntgenbrillen aus der Reklame obskurer Versandh\u00e4user auf ihn: \u201eUnd ich stelle mir vor, die Photographie k\u00f6nnte die beiden F\u00e4higkeiten miteinander verkn\u00fcpfen; ich sp\u00fcrte den Reiz zu einem Selbstportr\u00e4t\u2026\u201c18 Im Licht dieses Textes erscheinen die folgenden Texte als derartige Selbstportr\u00e4ts. Die kurze Form und die Zentrierung auf jeweils einen Aspekt geben ihnen dabei den Charakter mentaler Momentaufnahmen.<\/p>\n<p>Autobiographischen Status hat auch der \u00fcberwiegende Teil seiner Photographien: Neben vielen Selbstportr\u00e4ts findet sich in ihnen ein Teil des \u00fcbrigen Personals seines literarischen Werkes wieder: die Eltern, die Liebhaber T. und Vincent sowie seine Gro\u00dftanten Suzanne und Louise, denen er einen eigenen Fotoband widmete19. Der Videofilm \u201eLa Pudeur ou L\u2019Impudeur\u201c dokumentiert die letzten Phase seines Lebens nachdem Ausbruch von Aids.<\/p>\n<p>Die einzelnen Teile seines Projekts der Selbstenth\u00fcllung zeigen alle deutlich autobiographischen Charakter, dennoch scheint keines isoliert betrachtet eine Autobiographie darzustellen. Jedem einzelnen Teil fehlen die Elemente, aus denen sich eine Selbstinterpretation erkennen lie\u00dfe. Dies l\u00e4sst sich am besten im Vorgriff auf die Analyse Guiberts literarischer Technik durch das dieser zugrundeliegende fotografische Konzept erkl\u00e4ren. Guiberts Erz\u00e4hltechnik ist durch einen Verzicht auf Narration gezeichnet. Die einzelnen Kapitel sind nicht durch die explizite Schilderung von Entwicklungen sondern durch das Prinzip der Identifikation verbunden. Jeder Abschnitt repr\u00e4sentiert dabei gewisserma\u00dfen eine Momentaufnahme, und eine Entwicklung wird nur dadurch sichtbar, dass die einzelnen Personen des Geschehens in den folgenden Kapiteln wiedererkannt werden.<br \/>\nNach dem gleichen Prinzip verbinden sich die Teile des autobiographischen Projektes: Da die verschiedenen Motive in den einzelnen Werken wiederkehren, werden erst in der gemeinsamen Betrachtung die Zusammenh\u00e4nge und Entwicklungen offenbar, erhalten die einzelnen Teile erst ihren vollen Gehalt. Dass man anhand der Prosa den fotografierten Personen eine Bedeutung f\u00fcr Guiberts Leben zuschreiben kann \u2013 woraus wiederum die jeweiligen Fotos ihre Bedeutung erhalten, ist dabei nicht der entscheidende Aspekt. Es liegt in der Natur der Fotografie, dass die Bedeutung jedes Bildes sich in erster Linie aus dem Hintergrundwissen des Betrachters ergibt. Bemerkenswert hingegen ist Guiberts Adaption dieser Tatsache als autobiographische Technik: In der Gesamtschau \u00fcber die einzelnen Teile wird seine Selbstinterpretation sichtbar, aus dem Dokumentaristen seiner selbst der Autobiograph.<\/p>\n<p>Den Hinweis darauf, da\u00df in seiner Selbstenth\u00fcllung die Autobiographie nicht an der Oberfl\u00e4che liegt, sondern erst durch Bem\u00fchungen des Lesers in der Gesamtschau zu finden ist, gibt Guibert, wenn er schreibt, da\u00df er sich f\u00fchle \u201e[\u2026] wie der Pharao, der die Ausstattung seines Grabes vorbereitet, mit seinem vervielfachten Abbild, das den Zugang markieren oder ihn im Gegenteil durch Abwege, durch L\u00fcgen und falsche Vorspiegelungen verkomplizieren wird.\u201c20 Betrachtet man das Grab als Guiberts Metapher f\u00fcr die Autobiographie, in der das Leben zu Kunst erstarrt, so kann man als die entscheidenden Markierungen \u201ePhantom-Bild\u201c und \u201eDas Paradies\u201c benennen. Zum \u2013 gewisserma\u00dfen pharaonischen \u2013 Verwirrspiel geh\u00f6rt, da\u00df die Schl\u00fcssel der autobiographischen Selbstinterpretation an unvermuteter Stelle versteckt sind: in seinem Buch \u00fcber Fotografie \u2013 \u201ePhantom-Bild\u201c, wo Guibert seine Vorstellung von Wahrheit erl\u00e4utert \u2013 und im fiktiven Teil von \u201eDas Paradies\u201c \u2013 wo er seine Vorstellung von der Identit\u00e4t des Subjektes darstellt.<\/p>\n<p>Die abgeschlossene Form traditioneller Autobiographien widerspricht der Form des Lebens. Die in literarischer Form geronnene Selbstinterpretation impliziert das Ende einer Entwicklung des Subjekts und somit gleichsam seinen Tod.21 Guibert \u2013 der von sich behauptet: \u201eIch feilsche gern, das ist Leben. Alles im Leben ist Feilschen. Der Tod ist die Einigung.\u201c22 \u2013 vermeidet die Implikation des Stillstands des Subjekts in seinem autobiographischem Projekt, indem die einzelnen Werke auf eine abgeschlossene Selbstinterpretation verzichten \u2013 nur autobiographische Dokumente darstellen. Dass dennoch das autobiographische Netz der einzelnen Dokumente seine Autobiographie darstellen kann, d.h. dass sich im Gesamtblick der Eindruck einer abgeschlossenen Selbstinterpretation einstellt, ist durch die besonderen Umst\u00e4nde seines Todes bedingt.<br \/>\nGuibert erfuhr 1988 von seiner HIV-Infektion. Nach Ausbruch der Krankheit wurde der virale Status f\u00fcr ihn zum Indiz seiner verbleibende Lebenspanne. Da er zudem \u2013 wie in \u201eDem Freund\u2026\u201c geschildert, plante, da\u00df finale Stadium des Siechtums durch Selbstmord zu vermeiden, wurde der Zeitpunkt seines Todes in gewissen Grenzen vorhersehbar. Dass Guibert 1989 die Lebensgef\u00e4hrtin \u201eC.\u201c seines langj\u00e4hrigen bisexuellen Liebhabers \u201eT.\u201c heiratet, um sein Erbe den Kindern des Paares zukommen zu lassen, zeigt, wie er f\u00fcr seinen Tod lebenspraktische Vorsorge trifft. Auch in literarischer Beziehung scheint er sich auf sein Ableben vorbereitet zu haben. Zumindest kann die kryptische Aussage, Aids bilde ein \u201eParadigma\u201c in seinem \u201eProjekt der Selbstenth\u00fcllung\u201c23 nach der Lekt\u00fcre seines letzten Werkes \u201eDas Paradies\u201c dahingehend verstanden werden, dass er wegen seines absehbaren Todes plante eine gewisse Form von Abschluss in dieses Projekt zu bringen.24 Auch den Roman derart zu interpretieren, erweist sich \u201eDas Paradies\u201c als entscheidender Baustein, der aus dem \u201eProjekt der Selbstenth\u00fcllung\u201c erst eine Autobiographie im vollen Sinn der dieser Arbeit zugrundeliegenden Definition macht.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<h3>\u201eDas Paradies\u201c als Schl\u00fcssel zur Autobiographie<\/h3>\n<p>Das Paradies zeigt sich insofern als Schl\u00fcssel zu Guiberts autobiographischem Projekt, als dass der Autor in ihm die Zerst\u00f6rung der Vorstellungen von der Identit\u00e4t des Subjektes, von dessen Authentizit\u00e4t sowie der Authentizit\u00e4t der Fotografie betreibt und so die seinem Projekt zugrundeliegende Konzeption enth\u00fcllt. Die genannten Vorstellungen sind getragen von dem Wunsch nach Eindeutigkeit, von der Guibert bereits in Mitleidsprotokoll erkl\u00e4rte, dass sie der Tod sei.25 Eindeutigkeit meint in diesem Zusammenhang Widerspruchsfreiheit. Guiberts Mittel zur Zerst\u00f6rung dieser Vorstellungen liegt darin, sie ins Paradoxe \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<p>Neben der bereits zitierten Aussage, Guibert habe sich in ein schizophrenes Wesen verdoppelt, dient die fiktive Kriminalgeschichte, die den Schwerpunkt des Buches bildet, dazu, die Vorstellung der Identit\u00e4t der Person ad absurdum zu f\u00fchren. Zum einen geschieht dies, indem die Erwartungshaltung der mit Guibert vertrauten Leser gr\u00fcndlich verst\u00f6rt wird: Der vermeintlich bekannte schwule franz\u00f6sische Protagonist Guibert tritt hier als heterosexueller Schweizer in Erscheinung. Die Verwirrung des Lesers wird dabei von den Nebenfiguren des Textes reflektiert. So w\u00e4hrend einer Polizeikontrolle: \u201eDie Bullen fragten mich: \u00abUnd woher haben Sie jetzt einen Schweizer Pa\u00df?\u00bb Ich antwortete: \u00abWieso sollte man keinen Schweizer Pa\u00df haben, wenn man Schweizer ist.\u00bb\u201c26<\/p>\n<p>Dann jedoch bricht Realit\u00e4t \u2013 oder zumindest die Realit\u00e4t des vertrauten Guibert-Protagonisten \u2013 in die Erz\u00e4hlung ein: der Tod seiner Gro\u00dftante Suzanne27 und die Erfahrungen w\u00e4hrend der Krankenhausaufenthalte in Folge seiner Aids-Erkrankung. Schlie\u00dflich erleidet der Ich-Erz\u00e4hler \u2013 ein bei entwickeltem Vollbild von Aids, das Stadium in dem sich Guibert befand, als er \u201eDas Paradies\u201c verfasste, nicht seltenes Ph\u00e4nomen \u2013 einen tempor\u00e4ren Ged\u00e4chtnisverlust. Er versucht sein Leben zu rekonstruieren: \u201eIch erinnere mich an meine B\u00fccher, sie sind das einzige, an das ich mich genau erinnere. Doch wie ordnet man ein Buch? Wie datiert man es?\u201c28 Durch den Verlust der Erinnerung gleichsam von seiner eigenen Person getrennt, kann er sich nur noch in seinem literarischen Selbstbild wiederfinden. Aber auch dieses erlaubt keine Rekonstruktion seiner Identit\u00e4t.<br \/>\nDer zweite Weg, auf dem Guibert in \u201eDas Paradies\u201c die Vorstellung einer Identit\u00e4t des Subjektes zerst\u00f6rt, ist die Geschichte der Freundin des fiktiven Protagonisten. Nachdem die ehemalige Meisterschwimmerin \u201eJayne Heinz\u201c29 ausgerechnet bei einem Badeunfall ums Leben kommt, entdeckt der Protagonist beim Regeln des Todesfalles zunehmend Merkw\u00fcrdiges: Ihre Notizb\u00fccher sind leer, die CDs, die sie h\u00f6rte, unbespielt, ihr Pass unauffindbar. Schlie\u00dflich: \u201eEs gibt keine Jayne Heinz. [\u2026] Weder im zwanzigsten Jahrhundert noch im neunzehnten, es hat nie eine Jayne Heinz gegeben.\u201c30 Der Ich-Erz\u00e4hler muss erkennen, dass die Person an seiner Seite nicht existent ist. Ihre Identit\u00e4t ist Fiktion, entsprang nur seiner Interpretation ihres Handelns.<br \/>\nAuch wenn das Motiv der Aufl\u00f6sung einer Person Guiberts k\u00f6rperlichem und geistigen Zustand nach dem Fortschreiten von Aids entspricht, verweist die Geschichte der Jayne Heinz als Allegorie auf das vom Autor in \u201eDas Paradies\u201c betriebene Verwirrspiel um seine Identit\u00e4t, so wie beide auf Guiberts Vorstellung des Subjektes. Angesichts seiner Freundschaft zu Roland Barthes und Michel Foucault nicht \u00fcberraschend, dr\u00fcckt sich in \u201eDas Paradies\u201c die Vorstellung aus, dass die Identit\u00e4t einer Person erst in der Interpretation konstituiert wird. Wenn sich die Person \u00fcberhaupt irgendwo greifbar manifestiert, so in ihrem Werk. Jedoch kann nicht einmal der Protagonist \u2013 stellvertretend f\u00fcr den Autor Guibert \u2013 aus seinen B\u00fcchern sein Leben rekonstruieren.<br \/>\nZudem ist der Authentizit\u00e4t des Werkes nicht zu trauen, wie Guibert vorf\u00fchrt, indem er mit der derselben Technik wie in \u201eDer Freund\u2026\u201c und \u201eMitleidsprotokoll\u201c Authentizit\u00e4t erzeugt und den Leser \u00fcber die Identit\u00e4t des Protagonisten in die Irre f\u00fchrt. Die vermeintliche Authentizit\u00e4t der Fotografie ist ebenso ein Werk der Interpretation. Guibert demonstriert dies im letzten Kapitel von \u201eDas Paradies\u201c anhand eines Paradoxons: \u201eIch sehe Fotos von Afrika an, und ich sehe genau, da\u00df es Afrika nicht gibt.\u201c31 Ebenso widerspr\u00fcchlich wie die Figur, dass die Beweiskraft der Fotografie die Nichtexistenz des Fotografierten beweise, ist die Aussage: \u201eBei meiner R\u00fcckkehr aus Mali hatte ich zu begreifen vermeint, der Mensch sei nichts und niemand. Und ebensogut h\u00e4tte ich sagen k\u00f6nnen, er sei alles.\u201c32<\/p>\n<p>Aus den finalen Paradoxa wie aus der paradoxen Struktur des Buches insgesamt, kann auf Guiberts Sicht der Wirklichkeit geschlossen werden. Die Wirklichkeit ist f\u00fcr Guibert voller Widerspr\u00fcche und kann nicht in einer notwendig eindeutigen \u2013 \u201eEindeutigkeit ist der Tod\u201c \u2013 rationalen Beschreibung erfasst werden. Dies gilt insbesondere f\u00fcr das Subjekt. Aufgrund seiner Komplexit\u00e4t und inneren Widerspr\u00fcche ist die Wahrheit des Subjektes ihm selbst nicht zug\u00e4nglich. Wenn \u00fcberhaupt kann sie in seinem Werk gefunden werden. In diesem Sinne existiert das Subjekt nur durch das Werk, obwohl es sich seiner Existenz unabh\u00e4ngig vom Werk durchaus bewusst ist.33<\/p>\n<p>Guiberts Selbstinterpretation ist somit prim\u00e4r eine Interpretation des Ph\u00e4nomens der Subjektivit\u00e4t, weniger eine des eigenen Selbst.34 Die Untersuchung von Guiberts Vorstellung von Wahrheit vorwegnehmend ist festzuhalten: Die angemessene Form der Selbstdarstellung ist f\u00fcr Guibert die des Selbstbildes, welches sich aus den autobiographischen Dokumenten des Projektes der Selbstenth\u00fcllung ergibt \u2013 wobei die Fotografie die Struktur des literarischen Selbstbildes bestimmt.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<h2>Fotografie und Literatur<\/h2>\n<h3>Guiberts fotografische Bilder<\/h3>\n<p><em>\u201eMein K\u00f6rper war vom Licht<br \/>\nnicht errettet worden, wie ich gehofft hatte, im Gegenteil, das Licht hatte mit Hilfe des Photoapparates die gesamte Substanz des Realen festgehalten.\u201c<\/em><br \/>\nHerv\u00e9 Guibert: \u201e\u00dcber eine gel\u00e4ufige Manipulation.\u201c35<\/p>\n<p>Die Bedeutung der Fotografie f\u00fcr Guiberts Leben spiegelt sich in seinem Werk. Das Medium Fotografie bestimmt die Struktur, den zugrundeliegenden Begriff von Wahrheit und dominiert einen Teil des Inhaltes. Guibert ver\u00f6ffentlicht Fotografien und sie erscheint in seinem literarischen Werk. Fotografie ist dabei \u2013 nicht nur in \u201ePhantom-Bild\u201c \u2013 Thema als auch Quelle f\u00fcr Metaphern. Guiberts Umgang mit der Fotografie liefert wichtige Hinweise, gewinnen, wie das Medium in die Struktur seines autobiographischen Projektes eingeht und wie er mithilfe der Fotografie literarische Authentizit\u00e4t erzeugt.<\/p>\n<p>Als Produzent von Fotografien \u201eblieb Guibert\u201c \u2013 trotz seiner Ver\u00f6ffentlichungen und Ausstellungen \u2013 \u201eganz bewusst Amateur.\u201c36 Dies gilt f\u00fcr seine fotografische Technik wie f\u00fcr die Auswahl seiner Motive. Guibert folgt seiner eigenen Empfehlung, nur das Vertraute zu fotografieren,37 und daher zeigen seine Bilder au\u00dfer seiner Person, seine Freunde und Verwandte, die Umgebungen, in denen er sich aufhielt. Dass sich unter den wenigen Fotos, die als Ausnahmen von dieser Regel Prominente abbilden, ein Bild von Henri Cartier-Bresson befindet, verweist auf Guiberts fotografische Technik, die sich am Vorbild Cartier-Bresson orientiert.<\/p>\n<p>Der fotografische Beobachter stellt immer eine St\u00f6rung der Situation dar \u2013 mit den Worten Susan Sontags: \u201eMenschen fotografieren hei\u00dft ihnen Gewalt antun\u2026\u201c38 Guibert versucht, diese St\u00f6rung m\u00f6glichst klein zu halten. Er bedient sich einer gleichsam mikroinvasiven Methode der Fotografie. Sein Werkzeug ist eine \u201eRollei 35\u201c, eine kleine, unauff\u00e4llige Sucherkamera, deren Objektiv keine verzerrte Perspektive erlaubt. Es ist eine Kamera, die f\u00fcr eine authentisch geltende Fotografie in der Tradition Cartier-Bressons steht. Guibert formuliert sein fotografisches Programm, indem er \u00fcber seinen Fotoapparat sagt: \u201eEr stellt mit den Leuten, die man photographiert, nicht diese seri\u00f6se, professionelle und rentable Beziehung her.\u201c39 Dass Guibert sich \u00fcberhaupt zu seiner Kamera \u00e4u\u00dfert, ist ebenso wie diese Aussage allerdings auch als ein Mittel zur Erzeugung bzw. Beglaubigung von Authentizit\u00e4t zu verstehen \u2013 sowohl der seiner Fotos als auch der seiner Texte.<br \/>\nSein fotografischer Stil \u2013 unpr\u00e4tenti\u00f6se Fotografien in Schwarzwei\u00df \u2013 soll den Eindruck der \u201eWahrheit\u201d der Bilder unterst\u00fctzen:. Die Authentizit\u00e4t ist jedoch immer inszeniert. Seine Modelle posieren erkennbar, die seine privaten Alltagsstilleben wirken viel zu pr\u00e4zise, als dass sie so vorgefunden sein d\u00fcrften. Am aufschlussreichsten f\u00fcr sein autobiographisches Projekt sind die Selbstportr\u00e4ts.<\/p>\n<p>Die meisten dieser Selbstbildnisse zeigen drei auff\u00e4llige Stilmittel: Ein Teil des Gesichtes wird durch einen Gegenstand oder einen Schatten verdeckt, die Bilder weisen eine gewisse Unsch\u00e4rfe auf und oft ist der Fotoapparat zumindest verschwommen oder schemenhaft im Bild zu erkennen. Um sie als blo\u00dfen Nebeneffekte des Versuchs, sich ohne Verwendung eines Stativs zu fotografieren, zu deuten, tauchen diese Stilmittel zu h\u00e4ufig auf und erscheint die Lage der Schatten zu wenig zuf\u00e4llig. Vielmehr verweisen die Fotos auf die Grundlagen des Projekts der Selbstenth\u00fcllung. Zum einen sind alle drei Stilmittel Metaphern f\u00fcr Authentizit\u00e4t, zum anderen visualisieren Unsch\u00e4rfe und Abschattung des Gesichtes, dass das Subjekt trotz seiner Enth\u00fcllung nie ganz zu erkennen ist. Die Reflexion des Darstellungsprozesses in der Darstellung schlie\u00dflich ist \u2013 nicht nur f\u00fcr Herv\u00e9 Guibert \u2013 ein h\u00e4ufiges Mittel, die Authentizit\u00e4t der Darstellung zu beglaubigen.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<h3>Fotografie als Inhalt und Metapher<\/h3>\n<p>Wird Fotografie zum Inhalt von Guiberts Texten, besch\u00e4ftigen ihn dabei zumeist die Komplexe Bild und Begehren, das Verh\u00e4ltnis von Person und Bild \u2013 letzteres wird weiter unten genauer untersucht \u2013 der Objektcharakter von Fotografien sowie die Beziehung des Mediums zum Tod. Fotografie kann ein Mittel sein, um \u201e[\u2026] mit einer anderen Wirklichkeit F\u00fchlung aufzunehmen,\u201c40 f\u00fcr Herv\u00e9 Guibert war sie das Mittel, um mit der Wirklichkeit, die jenseits des von seinen Eltern definierten Horizontes aus Moral und Anstand liegt, in Kontakt zu treten: der Welt des Begehrens.<\/p>\n<p>Guibert schildert,41 wie er in seiner Jugend durch Fotografien von Schauspielern seine Sexualit\u00e4t entdeckte und auslebte. Die so entstandene intensive Bindung zwischen Bild und Begehren mag einer der Gr\u00fcnde sein, warum Fotografie in Guiberts Leben eine gro\u00dfe Bedeutung hatte. Jedenfalls macht diese Verbindung f\u00fcr ihn die Natur des Mediums aus: \u201eWie soll man von der Photographie sprechen, ohne von der Lust zu sprechen? [\u2026] das Bild ist das Wesen der Lust [\u2026].\u201c42<\/p>\n<p>Weil die Fotografie eine direktere Repr\u00e4sentanz als andere Formen der bildlichen Darstellung herstellt, eignet sie sich besonders als Medium des Begehrens. Die auf einem Foto abgebildete Person hat mit dem Foto gewisserma\u00dfen ihre Spur hinterlassen, das Foto ist Beweis ihrer Existenz. Guibert macht dabei den Unterschied zwischen erotischem und pornographischen Bild an der Mehrdeutigkeit des erotischen fest: \u201eDer K\u00f6rper auf dem erotischen Bild ein manipulierbarer K\u00f6rper [\u2026],\u201c43 l\u00e4sst Raum f\u00fcr die eigenen Phantasien, w\u00e4hrend das pornographische Bild eindeutig ist. Guiberts Pr\u00e4ferenz \u2013 auch als Mittel der Pornographie \u2013 gilt dem erotischem Bild: \u201eIch kann mich mit dem pornographischen K\u00f6rper nicht befriedigen [\u2026].\u201c44 Guiberts Diskussion des Verh\u00e4ltnisses von Pornographie und Erotik ist kennzeichnend f\u00fcr sein gesamtes autobiographisches Projekt. Er f\u00fchrt sie anhand der eigenen Nutzung von Pornographie und zeigt sich dabei seinem Grundsatz der Selbstenth\u00fcllung auch im \u00fcbertragenen Sinne treu. Er beharrt auf Mehrdeutigkeit, darauf, dass das Bild erst in der Phantasie des Betrachters vollst\u00e4ndig wird. Das gilt auch f\u00fcr das Bild seiner Person: trotz Selbstenth\u00fcllung ist er daher nicht wirklich zu erkennen.<\/p>\n<p>Eine Motivation dieses Vorgehens, ist die Angst vor der Reduktion \u2013 die Individualit\u00e4t der Person liegt in der Verschiedenartigkeit der Aspekte, die in ihr vereint sind. Wie jede Autobiographie ist auch die Herv\u00e9 Guiberts durch den Wunsch, die eigene Individualit\u00e4t zu manifestieren, motiviert. Die Individualit\u00e4t des Begehrens soll dokumentiert werden, jedoch: \u201eUnd dann k\u00f6nnte ich mich schwarz\u00e4rgern, wenn ich meine Phantasien in pornographischen Zeitschriften wiederfinde: meine Phantasien sind also Gebrauchsmuster, vorgeschriebene dazu und das bestimmt schon seit Jahrhunderten. Ich reproduziere sie blo\u00df, ich entgehe diesem Konformismus der Lust nicht.\u201c45<\/p>\n<p>Den breiten Raum und die Detailtiefe, mit der Guibert seine Sexualit\u00e4t schildert, sind auch als Komponenten zweier Emanzipationsprozesse zu erkl\u00e4ren. Die eigene Homosexualit\u00e4t zu thematisieren, ist Bedingung daf\u00fcr, der gesellschaftlichen Diskriminierung entgegentreten zu k\u00f6nnen. Indem Guibert dies tut, emanzipiert er sich gleichzeitig von seinen Eltern, die das \u00d6ffentlichwerden der Homosexualit\u00e4t ihres Sohnes verhindern wollen. So versucht sein Vater mit der Behauptung, man wolle ihn mit der Homosexualit\u00e4t seines Sohnes erpressen, diesen zur Unterdr\u00fcckung seines Begehrens zu bewegen.46 Jedes von Guibert enth\u00fcllte sexuelle Detail ist somit auch eine Demonstration der Unabh\u00e4ngigkeit von seinen Eltern und der Verachtung f\u00fcr sie. Daher ist insbesondere \u201eMes Parents\u201c von den Schilderungen seines Begehrens durchzogen.<\/p>\n<p>Wie der Konsum von Fotos ist auch ihre Produktion f\u00fcr Guibert mit dem Begehren verkn\u00fcpft. Die Fotografie eines Menschen verwandelt ihn in ein Objekt, \u00fcber das sein Besitzer risikolos verf\u00fcgen kann. Erf\u00fcllt sich der Wunsch des Begehrens nicht am realen Objekt, so kann er an dessen Fotografie nachvollzogen werden. Fotografieren ist daher f\u00fcr Guibert ebenso eine Form des Ausdrucks des Begehrens wie der Herstellung von Objekten, an denen es sich ersatzweise erf\u00fcllen kann. \u201eMan begehrt ein Objekt und der Einsatz ist l\u00e4cherlich [\u2026]47\u201c lautet die Devise, nach der Guibert sich fotografisch einen Repr\u00e4sentanten des begehrten Objektes schafft. Das Fotografieren ist dabei ebenso eine Form, Intimit\u00e4t herzustellen, wie Macht \u00fcber eine Person zu bekommen: \u201e[\u2026] indem ich das Photo von dir mache, binde ich dich an mich, wenn ich es will, ich la\u00df dich in mein Leben eintreten, ich verschmelze ein wenig mit dir, und du kannst nichts dagegen machen\u2026\u201c48<\/p>\n<p>Wie das Motiv des Begehrens durchzieht auch Guiberts Faszination am Tod sein Werk und wird in Verbindung zur Fotografie gebracht. Fotografien verweisen implizit auf den Tod, weil sie einen bestimmten Zustand eines Menschen konservieren, w\u00e4hrend er selbst altert. Beim Betrachten von Urlaubsfotos und Filmen ist der \u201eDiskurs\u201c bei Familie Guibert daher \u201eangsterf\u00fcllt und von Todesgedanken getragen [\u2026].\u201c49 Fotografie erinnert an den eigenen Tod, ist f\u00fcr Guibert aber gleichzeitig Mittel seiner \u00dcberwindung durch das sein Modell \u00fcberdauernde Bild. Das Bestimmen seines posthumen Bildes \u2013 auch vor dem Wissen um seine HIV-Infektion \u2013 ist ein von Guibert immer thematisiertes Anliegen: Mit einem Pa\u00dfbild, von dem garantiert wird, \u201eda\u00df es auf zwanzig Jahre unzerst\u00f6rbar und unver\u00e4nderlich sei,\u201c50 bestellt er sich sein \u201eBildmedaillon f\u00fcrs Grab.\u201c51 Als Guibert dieses Aussage ver\u00f6ffentlicht, ist er noch nicht einmal 25 Jahre alt und Aids noch unbekannt.<br \/>\nDass er in \u201eDem Freund\u2026\u201c \u00fcber sein posthumes Bild nachdenkt,52 erscheint in Anbetracht des nahenden Todes verst\u00e4ndlich. F\u00fcr einen Mann Mitte Zwanzig ist die Sorge um das Erscheinen vor den Augen der Nachwelt jedoch ungew\u00f6hnlich. Diese Tatsache belegt, wie stark Guiberts autobiographisches Projekt durch den Wunsch, die Kontrolle \u00fcber das eigene Bild zu behalten, motiviert ist. Dieses Anliegen wird verst\u00e4ndlicher, wenn man Guiberts Vorstellung der Wahrheit betrachtet53 und die Funktion von fotografischen Bildern in seinem Leben ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Herv\u00e9 Guibert ist vom Objektcharakter der Fotografien fasziniert. Schon als er seine Sexualit\u00e4t anhand von Fotografien entdeckt, werden diese zum Ersatz realer Partner: \u201eWenn ich mich abends schlafe lege, verkrieche ich mich tief ins Bett, um den K\u00f6rpern auf dem Bild einen Platz zu lassen, und unter meiner Bettdecke rede ich zu ihnen\u2026\u201c54 In dem Text \u201eDas krebskranke Bild\u201c55 verbindet er die Motive des Begehrens und des Todes mit dem Objektcharakter von Fotografien. Zumeist interessiert das Foto als Gegenstand nicht, vielmehr liegt das Augenmerk auf der abgebildeten Realit\u00e4t. Mittels der Fotografie wird eine Verbindung zwischen der betrachteten Wirklichkeit und der Wirklichkeit des Betrachters geschaffen, aber die beiden Realit\u00e4ten durchdringen sich nicht. Die abgebildete Wirklichkeit ist unver\u00e4nderlich.<\/p>\n<p>In \u201eDas krebskranke Bild\u201c beginnen beide Realit\u00e4ten miteinander in Wechselwirkung zu treten. Der Ich-Erz\u00e4hler berichtet das Schicksal des Fotos eines Unbekannten, das er einem mittlerweile verschwundenen Freund entwendet hat. Da er keinerlei Informationen \u00fcber den Abgebildeten besitzt, eignet sich das Foto als Projektionsfl\u00e4che romantischer Phantasien \u2013 er malt sich die Geschichte des Unbekannten aus: \u201eVielleicht war er tot, ich konnte ihn mir jedenfalls auch sehr heruntergekommen vorstellen [\u2026].\u201c56 Pl\u00f6tzlich scheint das Foto zum Leben zu erwachen, der Leim der Kartonierung schl\u00e4gt durch und beginnt das Bild zu zersetzen: \u201eDas Bild hatte Krebs; mein Freund war krank.\u201c57 In dem Text klingen Motive aus dem Pygmalion-Mythos und Oscar Wildes \u201eThe Picture of Dorian Gray\u201c an, im Gegensatz zu diesen findet die Geschichte jedoch einen gl\u00fccklichen Ausgang. Der Erz\u00e4hler heftet das Bild mit Klebestreifen an seinen Bauch. Sein Schwei\u00df l\u00f6st es ab, und l\u00e4sst das negative, unversehrte Bild auf dem Bauch zur\u00fcck. In der so vollzogenen Vereinigung mit dem Begehrten wurde das Begehren befriedigt.<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis von Fotografie und Wirklichkeit wird in diesem Text umgedreht: Nicht das Bild l\u00e4sst den K\u00f6rper seinen Verfall \u00fcberdauern, sondern der K\u00f6rpers des Ich-Erz\u00e4hlers rettet das Bild vor dem Verfall. In Guiberts Vorstellung gibt es keine Trennung zwischen der Realit\u00e4t und der Realit\u00e4t des fotografischen Abbilds. Oft erscheint daher in seinem Werk das Bild als die eigentliche Wirklichkeit \u2013 wie der Autor selbst scheinbar erst durch die autobiographische Verdopplung Realit\u00e4t erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Ein Nebenaspekt der Beziehung zwischen seinem Interesse an der Fotografie und Guiberts literarischen Werk soll nicht unerw\u00e4hnt bleiben. Wie bei jedem Autor ist auch f\u00fcr Herv\u00e9 Guibert die eigene Lebenswelt eine wichtige Quelle seiner Metaphern. Fotografie ist daher ein Bereich, dem er seine sprachlichen Bilder entnimmt. So wenn er \u00fcber einen Arzt sagt: \u201e[\u2026] er hat sich gegen\u00fcber der Wahrheit eine Durchschaubarkeit von einer 125stel Sekunde bewahrt, wie sich die Fotoblende \u00f6ffnet, um das Licht aufzunehmen, bevor sie sich wieder schlie\u00dft, um die Konserve reifen zu lassen.\u201c58 Bei einem so stark wie Guibert an Fotografie interessierten Autor, kann das Auftreten fotografischer Metaphern nicht \u00fcberraschen. Sie sind Ausdruck einen Beziehung zwischen Fotografie und literarischem Schaffen, die ungleich tiefer geht.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<h3>Authentizit\u00e4t I: \u201eDie photographische Schrift\u201c<\/h3>\n<p>Die Frage nach der Authentizit\u00e4t einer Autobiographie zerf\u00e4llt in zwei Aspekte: Der wahrheitsgetreuen Schilderung der Ereignisse und der Darstellung der inneren Wahrheit des Autors. In Herv\u00e9 Guiberts Projekt der Selbstenth\u00fcllung spielt Fotografie f\u00fcr beide Aspekte eine Rolle. Die zugrundeliegende Vorstellung der \u201eWahrheit der Schrift\u201c59 wird von Guibert am Vorbild der Fotografie gewonnen und erl\u00e4utert, ebenso wie sein literarischer Stil, der am besten mit Guiberts eigenem Terminus der \u201ephotographischen Schrift\u201c60 gekennzeichnet werden kann. Damit der Leser ein Werk als authentische Darstellung der inneren Wahrheit des Subjektes akzeptiert, muss der Autor in der Schilderung der \u00e4u\u00dferen Ereignisse seine Aufrichtigkeit unter Beweis stellen, Indizien seiner Ehrlichkeit an der Oberfl\u00e4che des Textes positionieren.<\/p>\n<p>Guibert greift dabei zu den Mitteln der Reflexion des Schreibprozesses, der Verbindung des Werkes zu den \u00fcberpr\u00fcfbaren Fakten der Realit\u00e4t, des Verweises der einzelnen Teile des autobiographischen Projektes untereinander und zu einem den Eindruck der Unmittelbarkeit erzeugenden Stil. Seine Handhabung dieser Mittel ist jedoch immer ambivalent: auf verschiedene Weise relativiert er sie wieder; warnt davor, der zur Schau gestellten Aufrichtigkeit zu trauen.<\/p>\n<p>Wenn Guibert versichert, sein Werk best\u00fcnde bis auf einige \u201eAusrutscher in die Fiktion\u201c61 aus Autobiographie, wenn er dar\u00fcber nachdenkt, dass: \u201ekein Buch ohne unerwartete Struktur, die von den Unw\u00e4gbarkeiten des Schreibens gezeichnet wird\u201c62 sei, dann streut er damit Hinweise seiner Ehrlichkeit. Dem Leser wird das Vertrauen des Autors signalisiert, wenn dieser ihm Einblick in den intimen Prozess des Schreibens gew\u00e4hrt. Der explizite Hinweis auf die Differenz zwischen Leben und Literatur soll demonstrieren, dass Guibert seine Leser ernst nimmt \u2013 gleichzeitig wird durch diesen Hinweis jedoch auch der Horizont einer fiktiven Lesart er\u00f6ffnet. Es sind die \u201eUnw\u00e4gbarkeiten des Schreibens\u201c, d.h. die Bedingungen der Gestaltung, die das Werk pr\u00e4gen.<br \/>\nAls Indiz der Wahrheit dient der Verweis auf die \u00e4u\u00dfere Wirklichkeit. \u00dcberpr\u00fcfbare Fakten, wie das Datum seiner Geburt,63 den Erhalt des \u201eC\u00e9sar\u201c,64 und nicht zu \u00fcberpr\u00fcfende Fakten, wie das Datum, an dem eine Seite geschrieben wird,65 sollen zwischen Werk und Wirklichkeit eine Authentizit\u00e4tsbeziehung herstellen. Jedoch treibt Guibert mit dieser Form der Relation zur Realit\u00e4t sein Spiel: Auf Seite 55 von \u201eDem Freund\u2026\u201c erf\u00e4hrt der Leser, dass Guibert erw\u00e4gt die \u201ef\u00fcnfundf\u00fcnzig schon beschriebenen Bl\u00e4tter zu l\u00f6schen,\u201c66 wodurch auf geradezu absurde Weise \u2013 es ist h\u00f6chst unwahrscheinlich, dass die Paginierung des Buches sich mit den Bl\u00e4ttern des Manuskriptes deckt \u2013 dem Rezipienten ein in seiner Wirklichkeit \u00fcberpr\u00fcfbares Faktum an die Hand gegeben wird. Die Plakativit\u00e4t des Beweises entwertet ihn und verweist auf sein Gegenteil: dem Offensichtlichen darf nicht getraut werden.<\/p>\n<p>Der Verbindung zur Wirklichkeit dient auch die Verbindung der Werke untereinander: Indem Ereignisse in verschiedenen B\u00fcchern auftauchen, werden Konsistenz und eine \u00e4u\u00dferliche Form der Kontinuit\u00e4t in die Autobiographie gebracht. Eine ausgezeichnete Position nehmen dabei die Fotografien ein. Personen, Orte und Gegenst\u00e4nde der Literatur sind auf ihnen wiederzuerkennen: die Gro\u00dftanten, \u201eT.\u201c, sein Zimmer mit der aufgeh\u00e4ngten \u201eR\u00f6ntgenaufnahme\u201c aus dem gleichnamigen Text,67 das Kuschelschaf seiner Kindheit. Die Fotografien scheinen die Existenz der Menschen und Objekte zu beweisen. Dieser Beweis ist wie jeder fotografische aber nur ein scheinbarer: \u00dcber die Bildunterschrift werden die Fotos in das autobiographische Netz eingeordnet \u2013 die Verkn\u00fcpfung zwischen den Bildern und den Informationen der Prosa entsteht im Geist des Betrachters, der auf Guiberts Aufrichtigkeit vertrauen mu\u00df. Mehr als Indizien der Konsistenz der einzelnen Bestandteile des autobiographischen Projektes untereinander k\u00f6nnen die Bilder daher nicht darstellen.<\/p>\n<p>Dem \u201eauthentischen\u201c Stil seiner Fotografien entspricht der Stil von Guiberts literarischem Werk. In seinem Text \u201eDie photographische Schrift\u201c68 reflektiert er am Beispiel von Goethes \u201eItalienischer Reise\u201c und Kafkas Tageb\u00fcchern, welche Schreibweisen den Eindruck einer \u201ephotographischen Unmittelbarkeit\u201c69 erzeugen. Wichtigstes Merkmal eines derartigen Stils ist Linearit\u00e4t, die sich im Verzicht ausdr\u00fcckt \u2013 dem Verzicht auf komplexe Satzkonstruktion ebenso wie dem Verzicht auf verschachtelte Reflexionen und Verweise. Die Wahrnehmung wird scheinbar ohne Zeitverz\u00f6gerung zu Papier gebracht: \u201eEs ist die am wenigsten zur\u00fcckliegende Spur des Ged\u00e4chtnis, ja, von Ged\u00e4chtnis kann kaum die Rede sein: wie etwas, das auf der Retina noch zu vibrieren scheint, ein Eindruck, beinahe ein Schnappschu\u00df.\u201c70 Diese Wirkung versucht auch Guibert in seinen Schriften zu erzielen: \u201eIch mag es, wenn es so direkt wie m\u00f6glich zwischen meinem Denken und ihrem hin und her geht, wenn der Stil die Transfusion nicht behindert.\u201c71<\/p>\n<p>Guiberts Beschreibung der \u201ephotographischen Schrift\u201c kennzeichnet seinen Stil: Kurze S\u00e4tze oder aneinandergereihte Teils\u00e4tze ohne komplexe Bez\u00fcge untereinander schaffen den Eindruck einer unmittelbaren Dynamik. Diese Struktur, die einzelnen S\u00e4tze zu komponieren und anzuordnen, wiederholt sich auf Kapitelebene. Die einzelnen Kapitel sind nicht durch explizite Verkn\u00fcpfung, sondern durch das Prinzip der \u00c4hnlichkeit aufeinander bezogen: \u201eAuch als Schriftsteller sucht er Momentaufnahmen, aus deren Aneinanderreihung Kontinuit\u00e4t entsteht. Es sind fragmentarische Bilder und Wahrnehmungen, die unverge\u00dfliche Eindr\u00fccke hinterlassen.\u201c72 Greift man die Metapher von den Momentaufnahmen auf, so kann man sagen, dass seine einzelnen Werke wie Fotoalben wirken, Sammlungen fragmentarischer Wiedergabe reiner Gegenw\u00e4rtigkeit.<br \/>\nHierin liegt auch der Grund, warum jedes Buch Guiberts f\u00fcr sich mehr wie ein autobiographisches Dokument als wie eine Autobiographie wirkt. Wie in den theoretischen \u00dcberlegungen zur Autobiographie diskutiert, ist die \u201eTagebuchform\u201c der Autobiographie weitgehend inkompatibel, insofern sie immer nur die Authentizit\u00e4t des Augenblicks pr\u00e4sentiert, jedoch nicht Gegenwart und Vergangenheit in der Selbstinterpretation der Autobiographie vereinigen kann. Diese Vereinigung muss im Falle Guiberts durch den Leser geleistet werden, der die verstreuten Hinweise zu den Grundlagen des Projektes zusammensetzt.<\/p>\n<p>Der authentische Eindruck der \u201ephotographischen Schrift\u201c darf dabei nicht als Beweis der Authentizit\u00e4t gewertet werden. Guibert weist darauf hin, dass Goethe die \u201eItalienische Reise\u201c aus seinen Tageb\u00fcchern komponierte, die Notwendigkeit einer nachtr\u00e4glichen Bearbeitung der Notizen von Anfang an einkalkulierend. Und \u00fcber sein eigenes Schreiben sagt er: \u201eWenn das, was ich schreibe Tagebuchform annimmt, dann habe ich am st\u00e4rksten den Eindruck, es sei Fiktion.\u201c73 Die Inszenierung der Unmittelbarkeit schl\u00e4gt ins Gegenteil um: Unmittelbarkeit wird zum Indiz der Inszenierung und damit der Fiktion.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<h3>Authentizit\u00e4t II: \u201eDie Wahrheit der Schrift\u201c<\/h3>\n<p>Das Umschlagen zwischen Fiktion und Dokumentation beeintr\u00e4chtigt nicht die Authentizit\u00e4t von Guiberts Schriften im Sinne der Darstellung seiner \u201einneren Wahrheit.\u201c F\u00fcr Guiberts Werk gilt: \u201e[\u2026] es geht nur um die Wahrheit der Schrift.\u201c74 Dies erl\u00e4utert er am Verh\u00e4ltnis von Fotografie und Begehren: \u201e[\u2026] das Bild zu entsexualisieren, hie\u00dfe es auf die Theorie zu reduzieren.\u201c75 Dass er die Intention seines literarischen Werkes an der Fotografie darstellt, belegt wie auch f\u00fcr seine Prosa die Konzeption des Bildes das Paradigma bildet. Daher kann die grundlegende Vorstellung von Authentizit\u00e4t im Projekt der Selbstenth\u00fcllung an Guiberts Essays zum Thema Fotografie untersucht werden. Insbesondere erhellt sich dann, was unter der von ihm abgelehnten Reduktion auf Theorie zu verstehen ist.<\/p>\n<p>Entscheidendes Kriterium f\u00fcr die Bewertung einer Fotografie stellt f\u00fcr Guibert die Erkennbarkeit der emotionalen Beteiligung des Fotografen dar. Daher seine Empfehlung: \u201ePhotographiere nur die Leute, die dir am n\u00e4chsten stehen, deine Eltern, deine Geschwister, deine geliebte Freundin, denn die alten Gef\u00fchle bestimmen das Photo\u2026\u201c76 Die Formulierung \u201eentsexualisieren\u201c muss somit in einem erweiterten Sinne verstanden werden. Das Bild darf nicht von Emotionen gereinigt werden, denn eine Fotografie ist \u201egelungen\u201c, wenn sie \u201eder Gef\u00fchlserinnerung einigerma\u00dfen getreu\u201c77 ist.<\/p>\n<p>Authentizit\u00e4t der Darstellung bedeutet f\u00fcr Guibert Wiedergabe von Emotionen, dem dient auch sein Stil der \u201ephotographischen Schrift.\u201c Da seine Texte gleichsam literarische Momentaufnahmen darstellen sollen, kann ein Text ein Bild ersetzen, weshalb insbesondere der Band \u00fcber Fotografie \u201ePhotographische Phantasiegebilde\u201c78 und ein \u201ePhantom-Bild\u201c79 enth\u00e4lt. Der Text ist dabei unter Umst\u00e4nden f\u00fcr Guibert authentischer, als es das Foto sein k\u00f6nnte, denn: \u201eDas Bild l\u00e4ge vor mir [\u2026], irreal, noch unwirklicher als ein Jugendphoto: als Beweisst\u00fcck.\u201c80 Der unver\u00e4nderliche Beweis des fotografischen Bildes ist auf Dauer st\u00e4rker als die Erinnerung und droht, diese zu verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Die Emotionen machen das Leben der Person aus, daher l\u00e4sst sich Guiberts autobiographische Technik als die Transformation seines Lebens in \u2013 fotografische und literarische \u2013 Bilder beschreiben. Aus der Gesamtheit dieser Bilder resultiert sein \u201eposthumes Bild\u201c \u2013 dessen Definition, wie erw\u00e4hnt, als das Ziel seines autobiographischen Projektes anzusehen ist \u2013 seine Autobiographie. Auch wenn Guibert als Parole der Selbstenth\u00fcllung \u201etout dire\u201c81 ausgibt und damit scheinbar Rousseau folgt, der sich \u201ein aller Wahrheit\u201c82 zeigen wollte, werden im Vergleich beider die spezifischen Merkmale von Guiberts Projekt deutlich. Wie Rousseau kennt Guibert keine Zur\u00fcckhaltung im Enth\u00fcllen intimer Details und spricht in diesem Sinne tats\u00e4chlich \u201ealles\u201c aus, jedoch verzichtet dabei er auf die explizite Erkl\u00e4rung der Zusammenh\u00e4nge. Die innere Wahrheit Rousseaus ist dagegen theoretischer Natur: die Entwicklungen und Motive seines Handelns werden erkl\u00e4rt und damit im Sinne Guiberts auf Theorie reduziert.<\/p>\n<p>Dem entspricht die Form von Zusammenhang in Guiberts Selbstbild, der nur durch \u00e4sthetische Prinzipien gestiftet wird. Guibert schildert die Festlegung seines eigenen \u201eposthumen Bildes\u201c83, in Analogie zu seinem Umgang mit Postkarten von Selbstportr\u00e4ts Rembrandts. Er besitzt acht dieser Karten, jedoch ist es unm\u00f6glich drei davon \u201e[\u2026] in eine Kontinuit\u00e4tslinie zu stellen \u2013 die anderen stie\u00dfen sie unverz\u00fcglich ab.\u201c84 So verf\u00e4hrt er auch mit seinen eigenen Selbstportr\u00e4ts: ein Teil wird vernichtet, die anderen nach einer \u201eChronologie, wie ich sie mir dachte,\u201c85 in einem Album angeordnet. Dementsprechend ist auch sein Projekt der Selbstenth\u00fcllung nicht rational strukturiert. Der Zusammenhang entsteht durch Verweise, durch das Prinzip der Identifikation.<br \/>\nGuiberts so entstehendes Selbstbild bleibt in einem grundlegenden Punkt widerspr\u00fcchlich: der Frage der Authentizit\u00e4t des Gesagten. Zum einen erkl\u00e4rt sich dies durch das Konzept der Wahrheit der Schrift, das die Authentizit\u00e4t in der angemessenen Wiedergabe der Emotionen lokalisiert \u2013 f\u00fcr die eine getreue Wiedergabe der Fakten unerheblich ist. Daher die Verbindung der autobiographischen Autor-Protagonisten-Identit\u00e4t mit dem Verzicht auf eine Signatur \u2013 wodurch Raum f\u00fcr eine fiktive Lesart entsteht \u2013 und die Mischung aus Fiktion und Autobiographie in \u201eDas Paradies.\u201c Unter Umst\u00e4nden erweist sich die Fiktion als das geeignetere Mittel, die Authentizit\u00e4t der Wahrheit der Schrift herzustellen. Die Widerspr\u00fcche der Wirklichkeit wie die inneren Widerspr\u00fcche des Subjektes sollen f\u00fcr Guibert auch in seinem Selbstbild nicht auf Identit\u00e4t reduziert werden.<br \/>\nZum anderen ist Guibert sich der Risiken, die im Verh\u00e4ltnis von Bild und Person lauern, bewusst: \u201eIch bin vierundzwanzig, aber in den Augen derer, die ich liebe, schmerzt mich mein Bild von fr\u00fcher schon fast, es ist unertr\u00e4glich, ich bin geneigt es zu verbergen, ich f\u00fcrchte, da\u00df sie mein Bild lieben und da\u00df es dabei bleibt.\u201c86<\/p>\n<p>Wie das fotografische Portr\u00e4t vom Betrachter mit Bedeutung aufgeladen wird, so wird es auch das Bild Guiberts, das er mit seinem \u201eProjekt der Selbstenth\u00fcllung\u201c gibt. Die zugrundeliegende Selbstinterpretation, dass das Subjekt nur in den Fragmenten des Werkes angemessen repr\u00e4sentiert wird, wird vom Rezipienten fast unweigerlich durch eine konkrete Interpretation der Person ersetzt \u2013 auf Theorie reduziert. Die Zerst\u00f6rung der Authentizit\u00e4tsannahme in \u201eDas Paradies\u201c wie die Warnungen, seiner Aufrichtigkeit nicht zu trauen, sollen diesen Prozess durcheinanderbringen. Guibert bef\u00fcrchtet, dass sein Bild die reale Person \u00fcberdecken kann.87<br \/>\nNeben der Verwechslung von Bild und Person birgt das enth\u00fcllte Selbstbild ein weiteres Risiko, welches Guibert an der Fotografie aufgezeigt hat. In \u201e\u00dcber eine gel\u00e4ufige Manipulation\u201c88 schildert er, wie ein Fotolaborant durch die Tricks der Entwicklung einem Aktbild Guiberts alle jene Details seines K\u00f6rpers entlockt, die er durch Vernichtung anderer Negative der gleichen Serie zu verbergen suchte: \u201eDie Wahrheit meines K\u00f6rpers erschien langsam zwischen seinen H\u00e4nden [\u2026].\u201c89 Auch die sorgf\u00e4ltigste Auswahl dessen, was im autobiographischen Projekt enth\u00fcllt wird, kann nicht garantieren, dass Guibert mehr verr\u00e4t, als er will.90 Die Brechung der autobiographischen Authentizit\u00e4tsannahme, wie sie Guibert betreibt, kann auch als Schutz vor zu weitgehender Selbstenth\u00fcllung betrachtet werden.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<h3>Die fotografischen Strukturen<\/h3>\n<p>Die Darstellung des eigenen Begehrens ist eine der st\u00e4rksten Motivationen in Guiberts Projekt der Selbstenth\u00fcllung: \u201eWenn ich meine Lust maskieren w\u00fcrde, wenn ich sie ihres Wesens beraubte [\u2026] h\u00e4tte ich den Eindruck meine Erz\u00e4hlungen zu schw\u00e4chen, sie kraftlos zu machen.\u201c91 Da f\u00fcr ihn das (fotografische) \u201eBild das Wesen der Lust ist\u201c92 und sein Leben durch Fotografie stark gepr\u00e4gt ist, verwundert es nicht, da\u00df er die Strukturen seines autobiographischen Projektes der Fotografie abgewinnt. Autobiographie bedeutet f\u00fcr Guibert die Manifestation des Selbst in seinem Selbstbild, das wiederum aus vielen Bilder gebildet wird, denn \u201edas vervielfachte Bild\u201c ergibt \u201eein wirklicheres Bild.\u201c93<\/p>\n<p>Die Widerspr\u00fcche des Subjektes werden nicht durch eine vereinheitlichende Erz\u00e4hlung \u2013 durch eine \u201eb\u00fcndige\u201c Selbstinterpretation \u2013 dargestellt, sondern indem Guibert versucht, seine Wahrnehmung des Augenblicks in eine \u2013 nur in diesem Sinne \u2013 authentische Darstellung zu \u00fcberf\u00fchren: die \u201ephotographische Schrift\u201c. Diese bestimmt den Stil der einzelnen Textfragmente, der kleinsten Struktur seines Projekts. Der Einsicht in die innere Widerspr\u00fcchlichkeit des Subjektes und der Erfahrung seiner Fragmentierung folgend \u2013 \u00fcber \u00e4ltere Fotos seiner selbst sagt Guibert: \u201e[\u2026] das war nicht mehr ich\u201c94 \u2013 werden diese Fragmente nur durch die vom Autor intendierte Identifikation der wiederkehrenden Elemente und Personen zur n\u00e4chstgr\u00f6\u00dferen Struktur verbunden: den einzelnen Werken. Diese wiederum verbinden sich ebenso nach dem Prinzip der Identifikation \u2013 dem einzigen Prinzip, durch das zwischen Fotografien ein Zusammenhang gestiftet werden kann \u2013 zu Guiberts Selbstbild.<\/p>\n<p>Dass man unschwer in diesem Organisationsprinzip das des Fotoalbums wiedererkennt, stellt einen Grund f\u00fcr den Eindruck der Authentizit\u00e4t, den Guiberts Werk hervorruft, dar: Diese Sicht seiner selbst ist dem Leser aus der eigenen Erfahrung vertraut. Susan Sontags Einwand gegen die Fotografie, sie k\u00f6nne keine Erkenntnis vermitteln, da ihr die Mittel rationalen Zusammenhang zu stiften fehlen, erkl\u00e4rt, warum Guiberts Werk eine authentische Darstellung seiner Selbstinterpretation liefert. Die fragmentierte Erfahrung des Selbst kann nicht auf den rationalen Zusammenhang einer Erz\u00e4hlung \u2013 auf Theorie \u2013 reduziert werden.<\/p>\n<p>Diese w\u00e4re die Einigung, von der Guibert sagt, sie sei der Tod.<br \/>\n<!--nextpage--><\/p>\n<h3>Anmerkungen<\/h3>\n<p>1 \tIn: Guibert, Herv\u00e9: \u201ePhantom-Bild.\u201c Leipzig 1993, S. 119f.<br \/>\n2 \tDie biographischen Angaben sind prim\u00e4r dem Band Guibert, Herv\u00e9: \u201ePhotographien.\u201c M\u00fcnchen, Paris, London 1993 entnommen.<br \/>\n3 \tHerv\u00e9 Guibert: \u201eDem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat.\u201c Reinbek bei Hamburg 1993, S. 237.<br \/>\n4 \t1993 Regie: Patrice Ch\u00e9reau. Dt.: \u201eDer vergewaltigte Mann.\u201c<br \/>\n5 \tGuibert: \u201eMes Parents.\u201c Paris 1986.<br \/>\n6 \tGuibert: \u201eDem Freund\u2026\u201c A.a.O.<br \/>\n7 \tGuibert, Herv\u00e9: \u201eMitleidsprotokoll.\u201c Reinbek bei Hamburg 1994.<br \/>\n8 \tGuibert, Herv\u00e9: \u201eCytom\u00e9galovirus. Journal d\u2019hospitalisation.\u201c Paris 1992.<br \/>\n9 \tParis 1992, liegt dem Autor dieser Arbeit nur in der englischen \u00dcbersetzung vor: Guibert, Herv\u00e9: \u201eThe Man in the Red Hat.\u201c London 1993.<br \/>\n10 \tGuibert: \u201eDas Paradies.\u201c Reinbek bei Hamburg 1994.<br \/>\n11 \tMatthias Matussek: \u201eWettlauf mit dem Tod.\u201c In: \u201eDer Spiegel.\u201c Heft 23\/1991, S.253.<br \/>\n12 \tRaimund Hoghe: \u201eDie Bilder. Die Worte. Und Aids.\u201c In: \u201eDie Zeit.\u201c Nr. 19\/1992, S.72.<br \/>\n13 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 9.<br \/>\n14 \tGuibert: \u201eMes Parents.\u201c A.a.O., S. 171.<br \/>\n15 \tVgl.: \u201eF\u00fcr den Schreiber der Autobiographie selbst aber wird das stark geformte seiner Erinnerungen daran deutlich, da\u00df sie selbst\u00e4ndig werden, [\u2026] als handele es sich nicht um Erinnerung, sondern um Werk. Wie Peter Schlemihl seinen Schatten an den Teufel, hat er einen Teil seines Selbst an die \u00d6ffentlichkeit verkauft.\u201c (de Bruyn, G\u00fcnter: \u201eDas erz\u00e4hlte Ich. \u00dcber Wahrheit und Dichtung in der Autobiographie.\u201c Frankfurt am Main 1995, S. 74.)<br \/>\n16 \tGuibert: \u201eDas Paradies.\u201c A.a.O., S. 102.<br \/>\n17 \tGuibert: \u201eMitleidsprotokoll.\u201c Reinbek bei Hamburg 1994, S. 110.<br \/>\n18 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 11.<br \/>\n19 \tGuibert, Herv\u00e9: \u201eSuzanne et Louise.\u201c Paris 1980.<br \/>\n20 \tHerv\u00e9 Guibert: \u201eDem Freund\u2026\u201c A.a.O., S.204.<br \/>\n21 \tSelbst wenn dieser \u201eTod\u201c nur das Ende eines Lebensabschnittes, gewisserma\u00dfen den Tod eines fr\u00fcheren Ich, bedeutet \u2013 t\u00e4uscht die Abgeschlossenheit: Die Psychoanalyse hat nicht umsonst das Wirken der Vergangenheit des Individuums auf seine Gegenwart erwiesen.<br \/>\n22 \tGuibert: \u201eMitleidsprotokoll.\u201c A.a.O., S. 239.<br \/>\n23 \tGuibert: \u201eDem Freund.\u201c A.a.O. S. 204.<br \/>\n24 \tAndere Lesarten dieses Satzes w\u00e4ren, dass Aids von nun an der beherrschende Faktor seines Lebens und damit auch des Projektes darstellt oder dass er wegen seines Todes in seinen Enth\u00fcllungen weniger R\u00fccksicht auf andere bei seinen Enth\u00fcllungen zu nehmen brauche.<br \/>\n25 \tSiehe oben.<br \/>\n26 \tGuibert: \u201eDas Paradies.\u201c A.a.O., S. 14.<br \/>\n27 \tGuibert: \u201eDas Paradies.\u201c A.a.O., S. 95. Guiberts Gro\u00dftante Suzanne starb tats\u00e4chlich kurz bevor er mit \u201eDas Paradies\u201c begann.<br \/>\n28 \tGuibert: \u201eDas Paradies.\u201c A.a.O., S. 100.<br \/>\n29 \tGuibert erfindet sie als Erbin des \u201eHeinz\u201c-Ketchup-Fabrikanten.<br \/>\n30 \tGuibert: \u201eDas Paradies.\u201c A.a.O., S. 26.<br \/>\n31 \tGuibert: \u201eDas Paradies.\u201c A.a.O., S. 123.<br \/>\n32 \tEbd.<br \/>\n33 \tSonst w\u00fcrde der Protagonist nicht versuchen, sein Leben aus seinem Werk zu rekonstruieren.<br \/>\n34 \tInsofern entspricht die Guiberts autobiographischem Projekt zugrundeliegende Konzeption der Subjektivit\u00e4t Peter B\u00fcrgers Analyse, dass das Subjekt selbst als Verschwindendes das Feld der Subjektivit\u00e4t nicht verlassen k\u00f6nne.<br \/>\n35 \tGuibert, Herv\u00e9: \u201e\u00dcber eine gel\u00e4ufige Manipulation. (Erinnerung eines Entstellungphobikers.)\u201c In: ders.: \u201ePhotographien.\u201c A.a.O., o.S.<br \/>\n36 \tLaux, Thomas: \u201eHerv\u00e9 Guibert \u2013 ein autobiographischer Torso.\u201c In: Guibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 167.<br \/>\n37 \tVgl. Guibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 93.<br \/>\n38 \tSontag: \u201e\u00dcber Fotografie.\u201c A.a.O., S. 20.<br \/>\n39 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 80.<br \/>\n40 \tSontag, Susan: \u201e\u00dcber Fotografie.\u201c Frankfurt am Main 1980, S. 22.<br \/>\n41 \tIn dem Text \u201eErste Liebe\u201c (In: Guibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 19ff.) und in \u201eMes Parents\u201c (a.a.O., S. 64f.).<br \/>\n42 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 87.<br \/>\n43 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 100.<br \/>\n44 \tEbd.<br \/>\n45 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 100f.<br \/>\n46 \tVgl. Guibert: \u201eMes Parents:\u201c A.a.O.<br \/>\n47 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 89.<br \/>\n48 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 159.<br \/>\n49 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 48.<br \/>\n50 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 60.<br \/>\n51 \tEbd.<br \/>\n52 \tVgl. S. 86 dieser Arbeit.<br \/>\n53 \tVgl. S. 96ff.<br \/>\n54 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 21.<br \/>\n55 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 160ff.<br \/>\n56 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 160.<br \/>\n57 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 162.<br \/>\n58 \tGuibert: \u201eMitleidsprotokoll.\u201c A.a.O., S. 121.<br \/>\n59 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 87.<br \/>\n60 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 72.<br \/>\n61 \tGuibert: \u201eMitleidsprotokoll.\u201c A.a.O., S. 182.<br \/>\n62 \tGuibert: \u201eDem Freund\u2026\u201c A.a.O., S. 19.<br \/>\n63 \tVgl.: Guibert: \u201eMes Parents.\u201c A.a.O., S. 18.<br \/>\n64 \tVgl.: Guibert: \u201eDem Freund\u2026\u201c A.a.O., S. 81f. Hier allerdings als \u201eOscar\u201c erw\u00e4hnt.<br \/>\n65 \tVgl.: Guibert: \u201eDem Freund\u2026\u201c A.a.O., S. 46.<br \/>\n66 \tGuibert: \u201eDem Freund\u2026\u201c A.a.O., S. 55.<br \/>\n67 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 67.<br \/>\n68 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 72ff.<br \/>\n69 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 74.<br \/>\n70 \tEbd.<br \/>\n71 \tGuibert: \u201eMitleidsprotokoll.\u201c A.a.O., S. 111.<br \/>\n72 \tPeter Jobst: \u201eHomosexualit\u00e4t und AIDS im Werk von Herv\u00e9 Guibert.\u201c In: \u201eForum. Homosexualit\u00e4t und Literatur.\u201c Heft 19\/1993, S.69.<br \/>\n73 \tGuibert: \u201eMitleidsprotokoll.\u201c A.a.O., S. 92<br \/>\n74 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 87.<br \/>\n75 \tEbd.<br \/>\n76 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 93.<br \/>\n77 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 24.<br \/>\n78 \tVgl.: Guibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 31, 86, 123.<br \/>\n79 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 12ff.<br \/>\n80 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 18.<br \/>\n81 \tGuibert zit.n.: Jobst, .a.a.O., S.68.<br \/>\n82 \tRousseau, a.a.O., S. 37.<br \/>\n83 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 64.<br \/>\n84 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 63.<br \/>\n85 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 66.<br \/>\n86 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 30.<br \/>\n87 \tDiese Angst erh\u00e4lt Nahrung durch Ereignisse, wie sie z.B. in \u201eDem Freund\u2026\u201c geschildert werden. Mit einer neuen Frisur Guibert erh\u00e4lt Guibert Vorw\u00fcrfe von Freunden und Bekannten \u201e[\u2026] sie bislang mit einer Pers\u00f6nlichkeit get\u00e4uscht zu haben, die nicht die meine war, eben mit jener, die sie geliebt hatten [\u2026].\u201c (a.a.O., S. 86.)<br \/>\n88 \tGuibert: \u201e\u00dcber eine gel\u00e4ufige Manipulation.\u201c A.a.O.<br \/>\n89 \tEbd.<br \/>\n90 \tMan k\u00f6nnte diese Untersuchung als Beleg daf\u00fcr nehmen, dass diese Angst nicht unberechtigt ist\u2026<br \/>\n91 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 87.<br \/>\n92 \tEbd.<br \/>\n93 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 97.<br \/>\n94 \tGuibert: \u201ePhantom-Bild.\u201c A.a.O., S. 63.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ausschnitt aus Magisterarbeit) Den gesamten Text als PDF downloaden Das Projekt der Selbstenth\u00fcllung Das verdoppelte Leben Herv\u00e9 Guiberts \u201eJede individuelle Geschichte wird durch ihre photographische, bildhafte und eingebildete Geschichte verdoppelt.\u201c Herv\u00e9 Guibert: \u201eDie Lieblingsphotos.\u201c1 Es gibt Autoren, die schreiben ihre Autobiographie \u2013 vielleicht auch zwei Autobiographien \u2013 und es gibt Autoren, die eigentlich nur ein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":34,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-33","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/33","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/33\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/34"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.erkenntnis-und-entertainment.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}